Aggressive Hähne

Manchmal kommt es vor, dass Hähne ihrem Halter oder auch anderen Menschen gegenüber aggressiv werden. Dieses Verhalten kann mehrere Ursachen haben. Um die Gründe hierfür genauer zu beleuchten und besser zu verstehen, ist es sinnvoll, das ganze einmal aus der Sicht und mit der Logik des Tieres zu betrachten:

Hähne sind im Normalfall die Führer einer Hühnergruppe. Ab einer bestimmten Reife streben sie naturgemäß danach, eine ranghohe Position, am besten die höchste, zu besetzen. Das ist wichtig für ihre Fortpflanzung, denn Hennen lassen sich gar nicht bzw. nur schwerlich von einem rangniederen Hahn treten. Seine Aufgabe, hat er die Führungsrolle einmal inne, besteht unter anderem darin, die Hennen vor Gefahren zu warnen und sie im Notfall auch zu verteidigen. Kampflos wird kein Hahn seine Führungsposition abgeben.

Hähne greifen an

Dieser Umstand allein führt aber noch nicht zu Problemen. Diese entstehen erst, wenn ein Hahn den Menschen als Gefahr oder Konkurrent sieht. Erst das führt zu erhöhter Aggression des Tieres gegen den Menschen.

Ursachen

Falsche Sozialisierung beziehungsweise Prägung im Kükenalter ist des Öfteren Grund. Küken, die von Hand aufgezogen werden, sehen Menschen vielmals nicht als artfremd. Entweder sie prägen sich bereits in den ersten Tagen nach dem Schlupf im Brutapparat auf ihn anstatt der Glucke, oder sehen ihn durch seine Pflege und Fütterung als zu ihrer Gattung zugehörig. Das ist anfänglich meist noch lustig, denn solche Tiere sind mitunter zahmer sind als andere. Ab der Geschlechtsreife aber kann es zum Problem werden, wenn der Hahn den Menschen aufgrund seiner Sozialisation wie einen anderen Hahn behandelt. Dann versucht er, in der Rangfolge seiner Gruppe, zu der für ihn ja auch der Mensch gehört, zu steigen. Folge ist die aktive Bekämpfung des vermeintlichen Gegners mit dem Ziel der Unterwerfung.

Schlechte Erfahrungen in der Jugendphase, weil er zum Beispiel geärgert oder geschlagen wurde, kombiniert mit einem sehr selbstsicheren Charakter, kann ebenso ein Grund für spätere Aggressionen eines Hahnes sein. Dies kann ihn mitunter dazu bringen, Menschen anzugreifen, da er gelernt hat, dass diese Gefahr bedeuten.

Auch der genetische Faktor spielt eine Rolle. Einige Hähne legen genanntes Verhalten an den Tag, auch ohne eine falsche Sozialisierung oder schlechter Erfahrungen.

„Menfighter“, so werden vor allem im amerikanischen Sprachraum Hähne bezeichnet, die aggressiv gegen Menschen sind, finden sich wider Erwarten seltener bei Kampfhühnern als bei den Vertretern „normaler“ Rassen. Im allgemeinen lässt sich sagen, dass der Anteil an diesen Menfighter bei Rassen vom Bankivatyp größer ist als bei Rassen mit orientalischer Abstammung.

Maßnahmen

…gibt es mehrere, nur führen nicht alle beim einzelnen Tier zum Erfolg. Das liegt an den verschiedenen Ursachen der Aggression und den jeweiligen Charakteren der Hähne. Zuerst einmal ist es natürlich ratsam, eine falsche Sozialisation der Küken auszuschließen und darauf zu verzichten, sie zu sehr an den Menschen als Bezug zu binden, auch wenn dies bei kleinen süßen Flauschbällchen nicht immer leicht fällt.

Hat man es bereits mit einem aggressiven Exemplar zu tun, gibt es ebenso mehrere Lösungsansätze.

Einige Hähne sind nicht generell aggressiv, sondern flippen von einem Moment auf den anderen aus, ohne dass vielleicht der Halter einen Grund erkennen kann. Lockt man beispielsweise die Hennen mit Futter zu sich, untergräbt man die Autorität des Hahnes, worauf mancher sehr erbost reagiert. Man verhält sich in seinen Augen wie ein Nebenbuhler, der ihm die Hennen streitig machen will. Besser ist es deshalb, dem Hahn das Futter zu offenbaren, damit er es an seine Hennen verteilen kann.

Ist ein Hahn hingegen ständig auf Konfrontationskurs, kann man ihn beispielsweise bei einem seiner Angriffe packen und auf den Arm nehmen. Er wird dann erst wieder laufen gelassen, wenn er sich beruhigt hat. Auch ihn mit einer Hand herunterzudrücken, um ihm mit der anderen Hand über den Rücken bis zur Kloake zu streichen ist ein Mittel, dass einige Hühnerhalter bereits erfolgreich angewandt haben. Es ist dies ein Dominanzverhalten, denn auch siegende Hähne treten mitunter unterlegende Artgenossen. Diese Vorgehensweisen führen in der Regel noch nicht bei einmaliger Anwendung zum Erfolg, sondern müssen mehrere Male wiederholt werden.

Das Schlagen mit Stöcken oder ähnlichem ist hingegen, abgesehen davon dass dies Tierquälerei ist, nicht zu empfehlen. Ganz im Gegenteil bestätigt man damit den Hahn in seiner Annahme, dass Gefahr vom Menschen ausgeht. Deshalb wird ein mutiger Gockel zu einem anderen Zeitpunkt, in einem ihm günstig erscheinenden Moment, immer wieder angreifen, auch wenn er nach einem Schlag anfänglich das Weite sucht. Außerdem geht auch ein großer und wichtiger Teil der Freude an der Hühnerhaltung verloren, laufen sämtliche Hühner sofort davon, wenn der Halter den Auslauf betritt. Denn ein allzu rabiates Einschreiten wird auch die Hennen verschrecken.

Trotzdem sollte man sich generell auch keinesfalls von sich aus unterwürfig verhalten, indem man als Mensch dem Hahn ausweicht oder einen Bogen um ihn macht, wenn er im Weg steht.

Selbst bei einem sonst stets friedlichen Hahn, kann das ängstliche Schreien einer Henne, vielleicht weil man sie gegriffen hat, ein Schlüsselreiz sein, dass ihn dazu veranlasst herbeigestürmt zu kommen und sich gegebenenfalls auf den Übeltäter zu stürzen. Kommt es lediglich in solchen Ausnahmefällen zu derartigen Reaktionen, ist der Hahn nicht als besonders aggressiv einzustufen, dies ist eher als natürlicher Instinkt anzusehen, wenngleich nicht jeder Hahn so reagiert.

In jedem Falle ist ein Abwägen der Gefahr, die von einem Hahn ausgeht, vonnöten. Hähne machen durchaus Unterschiede zwischen Personen und können bei selbstsicher auftretenden Menschen auf Abstand bleiben, während sie andere angreifen.

Trotz der genannten Problematik sehen die meisten Hähne den Menschen nicht als Störenfried und verhalten sich uns gegenüber nicht aggressiv sondern tragen mit ihrer Anwesenheit zu einem besseren Zusammenhalt der Hühnerschar bei. Sie sind eine Bereicherung für die Gruppe und auch für das menschliche Auge, welches sich am natürlichen Verhalten der Hühnergruppe erfreuen kann.