Fütterung und Haltung während der Zuchtphase

Hühner zu vermehren und die Nachzucht aus ihnen aufzuziehen ist relativ einfach. Eine Rasse nach dem Rassestandard gezielt weiterzuzüchten, erfordert hingegen schon einiges an Überlegung und Fingerspitzengefühl. Vor allem der Auswahl der Elterntiere ist hierbei das Hauptaugenmerk zu schenken, denn nur korrekte, schöne und leistungsstarke Elterntiere vererben ihre Eigenschaften an die Nachzucht weiter. Doch selbst die besten Erbanlage nutzen nicht viel, wenn die Umweltfaktoren bei der Zucht nicht beachtet werden. Futter, Stall und Tageslichtangebot sind für eine gelungene Nachzucht nämlich beinahe genauso wichtig, wie gute Gene. Doch wie geht es jetzt nach dem Zusammenstellen der Zuchtstämme weiter?

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nachzucht

Durch die gezielte Auswahl der Zuchttiere liegen die Erbanlagen entsprechend der genetischen Möglichkeiten hoffentlich im Optimalbereich. Damit die Erbanlagen auch tatsächlich ihre volle Entfaltung entwickeln können, müssen aber auch die Umweltbedingungen stimmen. Und diese beginnen bereits mit einer möglichst erfolgreichen Befruchtung. Entscheidender Einflussgeber für die Produktion und Qualität der Spermien des Hahns ist dabei das Licht. In der Fachliteratur ist häufig von einer optimalen Beleuchtungszeit von 14 Stunden zu lesen. Besonders für Hühnerhalter, die ihre Hühner schon im Februar zum Brüten anregen möchten, spielt diese Beleuchtungszeit eine große Rolle, da die Tageslänge zu dieser Jahreszeit von Natur aus einfach noch nicht so viel Licht hergibt. In früheren Zeiten wurde daher oft erst im April, bzw. Mai, wenn die Tage länger werden, mit der Nachzucht begonnen. Ohne Licht wird die Hirnanhangdrüse, die die nötigen Hormone für die Spermienproduktion generiert, nicht genügend angeregt, sodass selbst ein sonst potenter Hahn keine vielversprechenden Befruchtungsergebnisse abliefern kann. Auch die Temperaturen spielen für eine gute Befruchtungsrate eine entscheidende Rolle. Hitze und Kälte wirken sich ebenfalls negativ auf die Spermienproduktion und damit auf die Befruchtung der Eier aus.

Das Futter für Hahn und Henne vor der Brut

Nicht weniger wichtig ist zudem eine ausgewogene Mineralstoffversorgung über das Hühnerfutter. Gerade das Kalzium-Phosphor-Verhältnis sollte nicht mehr als 2:1 betragen, da sonst die Spermienproduktion negativ beeinflusst werden kann. Andere Mineralien, etwa Magnesium, Eisen oder Mangan wirken ebenfalls indirekt auf den Hühnerorganismus und sind, in der richtigen Dosis, ein Garant für gute Befruchtungsraten. Eine ausgewogene, gut dosierte Mineralstoffzufuhr ist dabei keineswegs nur für den Hahn von Bedeutung, sondern auch für die Henne. Immerhin muss ihr Organismus das befruchtete Ei so „bauen“, dass es einen optimalen Wachstumsort für ihr Küken darstellt. Dazu gehört neben einer ausreichend harten Eierschale auch ein optimales Eiweißangebot im Ei.

Ideales Futter für das Zuchtpaar

Selbstverständlich darf auch der Bruttrieb nicht fehlen. Dieser ist, sofern der Bruttrieb nicht gänzlich weggezüchtet wurde, relativ einfach über das Futter zu steuern. Bei einer zu gut gemeinten Eiweiß-Fütterung stellt sich der Bruttrieb allerdings nur schwerlich ein, außerdem kann ein Überangebot an Eiweiß für das heranreifende Küken tödlich sein, denn es erstickt förmlich im eigenen Saft, da es den Eiweißüberschuss nicht abbauen kann. Eine Eiweißreduktion kurz vor und während der Brutphase tut daher gute Dienste – sowohl in punkto Bruttrieb, als auch bei der Schlupfrate.

Die Fütterung der Henne während und nach der Brut

Die Befruchtung allein macht aber noch keine erfolgreiche Nachzucht aus. Auch die Haltung und Fütterung der brütenden Hennen sollte auf die neue „Lebenssituation“ abgestimmt werden. Insbesondere sind Fütterungsfehler zu vermeiden, um die Nachzucht nicht zu gefährden. Auf Grünfutter sollte in diesem Zusammenhang lieber gänzlich verzichtet werden, da diese häufig Durchfall erzeugen. Hierdurch kann die Henne die Eier verschmutzen, was wiederum zu einem Absterben der Embryonen führen kann, da der Sauerstoffaustausch durch die Eierschale nicht mehr einwandfrei möglich ist. Körnerfutter mit einem guten Mineralfutter versetzt ist für die Brutzeit völlig ausreichend. Die Futteraufnahme der Henne ist während dieser Zeit ohnehin recht bescheiden und die Körpermasse reduziert sich unter der Brut sehr stark. Nach dem Schlupf darf allerdings nicht versäumt werden, diese „Fastenkur“ mit einem entsprechend hochwertigen Futterangebot wieder zu kompensieren. In der Regel eignet sich hierfür das im Handel erhältliche, eiweißreiche Kükenaufzuchtfutter in Verbindung mit abwechslungsreichem, verdauungsanregendem Grünfutter (Löwenzahn, Brennnessel, Scharfgabe) nicht nur für die Küken sehr gut, sondern auch für die Henne.