Der Aufbau einer Mehlwurmzucht

Für viele Tiere ist tierisches Eiweiß in der Ernährung von großer Bedeutung. Mehlwürmer werden von verschiedenen Tierarten als Zusatzfutter sehr geschätzt. Insektenfresser wie Igel, verschiedene Affenarten, Kleinsäuger wie Ratten oder Hamster und nicht zu vergessen einige Vögel vertilgen diese schmackhaften Arthropoden mit Genuss.

Unerlässlich bei der Aufzucht von verwaisten Fledermäusen und Jungvögeln, sind sie außerdem hervorragend geeignet um Tiere an den Menschen zu gewöhnen und so das Zähmen wesentlich erleichtert.

Mehlwürmer züchten

Eine gut funktionierende Mehlwurmzucht anzulegen und zu betreiben ist zwar nicht schwierig, der zeitliche Aufwand darf aber auf keinen Fall unterschätzt werden. Eine halbe bis eineinhalb Stunden Arbeitszeit am Tag müssen eingerechnet werden.

Benötigtes Material:

  • Weizenkleie
  • Kunststofftonne
  • engmaschige Katzenkloschaufel
  • Wäscheklammern
  • Kalender
  • feines Sieb
  • Kunststoffboxen
  • Heizmatten
  • Zeitschaltuhr
  • harte Semmeln oder Brot
  • Obst oder Gemüse

 

Die Anlage

Kunststoffboxen, welche nicht zwingend durchsichtig sein müssen (z.B. Katzenklos, Käfigunterteile oder andere Gefäße) werden je nach Platzangebot in bequemer und vor allem rückenschonender Arbeitshöhe platziert. Einheitliche Kisten erleichtern das tägliche Handtieren und lassen sich leichter schlichten. Da Mehlkäfer nicht fliegen, werden keine Deckel oder sonstige Gitterabdeckungen benötigt.

Zuchtanlage für Mehlwürmer

Ein alter Schreibtisch ist schnell mit heraus ziehbaren Fächern ausgestattet, so dass auf geringer Bodenfläche relativ viele Kisten über einander untergebracht werden können. Eine andere Option ist die Unterbringung der Zuchtbehälter in Regalen und einem daneben stehenden Arbeitstisch, auf dem die tägliche Versorgung durchgeführt wird. Diese Methode nimmt zwar etwas mehr Platz in Anspruch, dafür lässt sich die Anlage aber leicht ausbauen und beliebig erweitern.

Wichtig ist, dass das Klima in den Behältern nicht zu stickig wird. Eine gute Belüftung muss daher gewährleistet werden. Zu hohe Feuchtigkeit kann Schimmelbildung begünstigen oder sehr starken Befall von Milben hervorrufen.

Die Boxen werden etwa 5-15 cm hoch mit Weizenkleie gefüllt, welche sowohl als Substrat als auch als Nahrung dient. Kleie ist im Agrarfachhandel und von Mühlen günstig zu beziehen.

Da es sich bei einer Mehlwurmzucht um eine staubige Angelegenheit handelt, sollte der Ort bzw. die Räumlichkeit in der diese sich befindet vorausschauend gewählt werden. Kellerräume oder alte Ställe eignen sich besonders gut, aber auch auf dem Balkon ist eine ertragreiche Zucht möglich. Zu bedenken ist, dass die Häutungen der Würmer, welche im Wachstum regelmäßig abgestreift werden, federleicht sind und beim kleinsten Windstoß durch die Luft gewirbelt werden. Die Kleie ist auch nicht wirklich staubarm und sollte in einer Kunststofftonne gelagert werden, vor allem um sie vor Schädlingen zu schützen.

Das Futter für die Mehlwürmer

Als Futter leisten getrocknete Semmeln oder Brot gute Dienste, wobei Semmeln meist bevorzugt und lieber gefressen werden. Ein bis zwei Stück davon werden in jede Box gelegt.

Futter für die Mehlwürmer

Obst und/oder Gemüse sind ein fester Bestandteil in der Ernährung der Mehlwürmer und Mehlkäfer und liefern die notwendige Feuchtigkeit. Am besten geeignet sind hierfür Sorten, die nicht allzu wässrig sind, wie etwa Äpfel, Birnen, Karotten, Zucchini, Kürbisse oder Schalen von Zucker- oder Honigmelonen. Je nach Saison und was gerade günstig zu bekommen ist. Für Abwechslung sind die Tierchen dankbar und zeigen dies durch regen Appetit. Auch Strünke von Brokkoli oder Karfiol finden hier noch Verwendung. Gurken und Wassermelonen sowie Ringlotten und Pfirsiche sind auf Grund ihrer Porosität und das vielen gespeicherten Wassers suboptimal. Das Obst bzw. Gemüse wird in 1 cm dicke Scheiben geschnitten und den Würmern mit der Schnittfläche nach unten serviert. Die Käfer hingegen benötigen die Schnittfläche oben, damit sie ungehindert fressen können.

mehlwurmfutter

Salat sollte nicht verfüttert werden, da dieser oft sehr stark mit Pestiziden belastet ist.

Obst- und Gemüsereste müssen täglich entfernt und durch frisches Futter ersetzt werden.

Zuchtstart

Die ersten Mehlwürmer, aus denen die Zucht aufgebaut werden soll, bezieht man entweder von einem privaten oder gewerblichen Züchter.

Die gekauften Mehlwürmer werden in die, mit Kleie gefüllte Kiste geleert, je nach Größe des Gefäßes sollten das 0,5 – 1,5 Liter sein. Gebäck und Feuchtfutter werden hinzugefügt.

Sobald sich die ersten Larven verpuppen, wird ein weiteres Gefäß mit Kleie versehen, in welches die Puppen übersiedelt werden. Futter wird in diesem Stadium nicht benötigt. Der Vorgang des Ausklaubens muss täglich verrichtet werden, denn die verpuppten Tiere werden sonst von den Würmern angeknabbert. Das Substrat wird vorsichtig händisch durchwühlt, um möglichst alle Puppen zu erwischen.

Nach einiger Zeit entwickeln sich aus den Puppen Käfer, welche anfangs weißlich und weich sind, recht bald aber härtet der Chitinpanzer aus und die Insekten werden immer dunkler, bis sie schließlich zu vollständig schwarzen Tieren ausreifen.

Die Käfer werden in eine neue mit Kleie, Obst und Gebäck ausgestattete Box umgesetzt, um zu verhindern, dass die adulten Tiere die ruhenden Puppen anfressen. Am wohlsten fühlen sich die Krabbler, wenn sie in einem abgedunkelten Bereich untergebracht sind, es reicht, wenn sich die Käferkisten, zum Beispiel in den untersten Fächern befinden, spezielle Abdeckungen sind nicht notwendig.

Nach der Paarung werden die Eier direkt ins Substrat abgelegt. Aus ihnen schlüpfen nach ca. 3 Wochen winzige Würmchen. Ein Käferweibchen kann in ihrem Leben bis zu 200 Eier produzieren.

Je nach Besatzdichte verbleiben die Käfer 3-8 Wochen in einer Kiste, dann werden sie, mit Hilfe einer Katzenkloschaufel mit schmalen Öffnungen, in ein neu hergerichtetes Becken umgesetzt. Mit dieser Schaufel werden auch die, als Futter benötigten Larven, entnommen.

Wenn die Zucht läuft

Die Boxen können je nach Entwicklungsstufe mit nummerierten Wäscheklammern markiert werden, die problemlos versetzt und wieder verwendet werden können.

Ein kleiner Taschenkalender, der neben der Zuchtanlage bereit liegt, ist sehr hilfreich. In ihm wird vermerkt, wann welche Box neu mit Käfern besetzt wurde, um den Überblick nicht zu verlieren.

Bei hohen Temperaturen entwickeln sich die Tiere in rasantem Tempo, so dass der Bestand regelrecht zu explodieren scheint. In der kühleren Jahreszeit haben sich Heizmatten unter den Becken bewährt, um den Stoffwechsel der Arthropoden anzukurbeln. Die Matten müssen nicht ständig in Betrieb sein. Mittels einer Zeitschaltuhr lässt sich die Einsatzzeit regeln, so dass beispielsweise nur jede zweite Stunde geheizt wird, was wiederum eine nicht zu ignorierende Stromersparnis bedeutet.

Die Würmer vertilgen auch die Weizenkleie, daher besteht das Substrat mit der Zeit fast nur noch aus Kot. Die Tiere werden mit einem feinen Küchensieb vom alten Substrat getrennt und entweder in frisches umgebettet oder verfüttert. Bei dieser Arbeit sollte unbedingt eine Staubmaske getragen werden, da eine starke Belastung der Atemwege durch den aufgewirbelten, feinen Staub besteht. Wenn die Larven ausgesiebt sind, kann das verbleibende Substrat dem Kompost beigemengt oder gleich in die Erde zur Bodenverbesserung eingearbeitet werden.

Reinigung und Hygiene

Für die Reinigung der Behälter eignet sich handelsübliches Geschirrspülmittel, Essigreiniger oder normaler Essig. Durch Abspülen mit sehr heißem Wasser werden viele Keime getötet. Zusätzlich kann man die Boxen in der Sonne trocknen lassen, denn die UV-Strahlen wirken ebenfalls desinfizierend.

Hie und da werden Motten mit der Weizenkleie eingeschleppt, diese sind zwar lästig, vermindern den Zuchterfolg aber in keiner Weise.

Bei starkem Futtermilbenbefall, wurde zu viel Feuchtfutter angeboten um von den Tieren gefressen zu werden. Wenn Heerscharen dieser kleinen Biester über die ganze Anlage herfallen, hilft nur noch eines: die Temperatur des Substrates erhöhen. Am einfachsten und effektivsten geschieht das mit den Heizmatten. Ausschlaggebend ist, dass die Kleie ein bis zwei Grad wärmer als die Umgebungstemperatur ist. Die mikroskopisch kleinen Plagegeister verschwinden bei dieser Methode unverzüglich. Bei hoher Besatzdichte erzeugen die Tiere selbst so viel Wärme, dass sich erst gar keine Milben ansiedeln.