Brutparameter – Umgebungsfaktoren für die Kunstbrut

Damit auch bei der künstlichen Brut eine möglichst hohe Schlupfrate gewährleistet ist, sollten einige wichtige Faktoren Berücksichtigung finden. Neben der Kondition der Henne, der Spermaqualität des Hahns und den Vererbungsfaktoren ansich spielen auch die zur Brut erwählten Eier und deren Lagerung eine wichtige Rolle. Von einer optimalen Schlupfrate spricht man, wenn bei mindestens 70 Prozent der zur Brut vorgesehenen Eier ein Küken schlüpft. Um bei der Kunstbrut ein solches Optimum zu erreichen, sind es aber nicht zuletzt die Umgebungsfaktoren, die es einzuhalten gilt. Hierzu zählen die Bruttemperatur, die Luftfeuchtigkeit, die ausreichende Sauerstoffversorgung und natürlich das tägliche Wenden der Eier.

Bruttemperatur

Die korrekte Bruttemperatur spielt bei der künstlichen Brut eine wichtige Rolle. Sie sollte in Höhe der Eioberkante gemessen, zwischen 37,5 und 38 Grad Celsius liegen und möglichst konstant eingehalten werden, um der natürlichen Brut so nahe wie möglich zu kommen.

Temperatur in der Brutmaschine

Abweichungen von bis zu 0,25 Grad nach oben oder unten verkraften die Bruteier hingegen durchaus. In den letzten drei Tagen vor dem Schlupftermin ist es sinnvoll, die Bruttemperatur um 0,2 Grad Celsius abzusenken, da die Küken nun im Ei selber eine hohe Eigenwärme produzieren. In einigen Fachliteraturen ist zudem von einem täglichen Kühlen der Eier die Rede. Eine logische Schlussfolgerung, wenn man sich die natürliche Brut ein wenig genauer ansieht. Auch hier verlässt die Henne das Gelege während der Brut, was ein Abkühlen der Eier bewirkt. Bei der Kunstbrut kann dieser Effekt durch die tägliche Entnahme der Eier aus dem Brutapparat für ca. 15 bis 20 Minuten nachgeahmt werden. In der Praxis findet dieses Vorgehen aufgrund des Arbeitsaufwands jedoch kaum Beachtung.

Luftfeuchtigkeit

Entscheidend für den Bruterfolg ist nicht nur die Bruttemperatur, sondern in besonderem Maße auch die Luftfeuchtigkeit. Ist die Luftfeuchtigkeit während der Brut zu gering, wird also zu trocken gebrütet, so entwickelt sich der Keim nicht richtig und das Küken kann beim Schlupf im Ei stecken bleiben.

Lustfeuchtigkeit im Brutkasten

Auch eine zu feuchte Brut verspricht kein gutes Schlupfergebnis, denn bei einer zu hoch gewählten Luftfeuchtigkeit kann das Küken im Ei regelrecht ertrinken. Das Optimum der Luftfeuchtigkeit liegt während der Vorbrut (bis zum 20. Tag) zwischen 40 und 60 Prozent. Am Schlupftag sollte die Luftfeuchtigkeit auf mindestens 70 Prozent erhöht werden, damit die Eihaut so elastisch bleibt, dass sie von den Küken während des Schlupfes problemlos durchdrungen werden kann.

Sauerstoff

Für eine erfolgreiche Brut ist eine ausreichende Versorgung der Bruteier mit Frischluft unabdingbar. Mangelt es dem Ei an Sauerstoff, stirbt der Keim, bzw. das entwickelte Küken ab. Die Sauerstoffzufuhr und die Luftfeuchtigkeit hängen dabei relativ dicht zusammen. Muss zur Frischluftversorgung der Deckel des Brutapparats geöffnet werden, so verändert sich gleichzeitig auch die Luftfeuchtigkeit. Um starke Schwankungen des Brutklimas zu vermeiden und dennoch eine ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen ist der Einsatz von wiederverschließbaren Lüftungslöchern sinnvoll. Sie lassen ausreichend Frischluft zu den Eiern vordringen, ohne sich zu stark auf das Brutklima auszuwirken.

Wenden

In der Natur übernimmt die Henne das tägliche Wenden der Eier. Bei der Kunstbrut muss der Mensch, oder bei halb-, bzw. vollautomatischen Wendevorrichtungen die Maschine, diese Aufgabe übernehmen.

Wenden der Bruteier

Werden die Bruteier nicht regelmäßig gewendet (mindestens 4 Mal täglich) so kann sich das Küken zwar entwickeln, klebt jedoch an der Eihülle fest und stirbt zwangsläufig ab. Das Wenden der Eier sollte jedoch nur bis zum 18. Tag erfolgen. In den letzten drei Tagen vor dem Schlupf wird nicht mehr gewendet, um dem Küken den Schlupf zu vereinfachen.

Schieren

Das Schieren der Eier, also das Durchleuchten, sollte erstmals am 7. Tag nach Einlegen der Eier in den Brutapparat erfolgen. Hierbei lassen sich befruchtete Eier deutlich am Keim und den kleinen Äderchen ausmachen, während unbefruchtete Eier zumeist hell erscheinen. Unbefruchtete Eier können somit direkt aus dem Brutapparat entnommen werden, um mehr Raum für die befruchteten Eier zu schaffen. Am 14. Tag erfolgt das zweite Schieren der Eier. Die Entwicklung des Kükens ist nun deutlich zu erkennen, während sich abgestorbene Eier ebenfalls ausmachen lassen. Durch das Schieren der Eier wird dabei nicht nur Platz in der Brutapparatur geschaffen, auch faule Eier lassen sich so rechtzeitig aus der Maschine entfernen. Nicht zuletzt wird beim Schieren aber auch die Neugier des Züchters befriedigt.