Das Schieren der Bruteier

Ob bei der Kunstbrut oder bei der natürlichen Brut, das Schieren ist eine spannende Sache und ist für den Bruterfolg ein wichtiger Aspekt. Schieren bedeutet dabei nichts anderes, als das Ei zu durchleuchten, um befruchtete von unbefruchteten Eier, bzw. entwickelte von abgestorbenen Eier zu unterscheiden. Bei weißschaligen Eiern genügt zum Schieren in der Regel eine starke Taschenlampe, ansonsten kommen spezielle Schierlampen zum Einsatz, die sich jedoch ebenso einfach selber bauen lassen.

Warum Eier schieren?

Nicht jedes Ei das zur Brut vorgesehen ist, ist auch gleichzeitig befruchtet. Um den 7. Tag nach Beginn der Brut ist es durch das Schieren möglich, unbefruchtete Eier von befruchteten zu unterscheiden. Gerade bei Hennen, die auf einem ganzen „Eierberg“ sitzen, kann das Schieren die Schlupfrate positiv beeinflussen, da unbefruchtete oder abgestorbene Eier direkt aus dem Nest entfernt werden können und somit den restlichen Eier mehr Platz und somit bessere Brutbedingungen schenken. Auch bei der Kunstbrut ist das Schieren eine sinnvolle Angelegenheit, denn „faule“ Eier lassen sich so rechtzeitig aus dem Apparat entfernen und geben den entwickelten Eiern mehr Raum.

Wie Eier schieren?

In der Regel genügt es, die Eier in einem abgedunkelten Raum über eine starke Taschenlampe zu halten, um die Entwicklung des Keims sichtbar zu machen. Um Blendungen zu vermeiden kann die Taschenlampe mit einem Rohr versehen werden. Eine leere Toilettenpapierrolle leistet hierfür gute Dienste. Sie wird mit ein wenig Isolierband einfach „lichtdicht“ auf der Taschenlampe angebracht. Nun kann das Ei hochkant auf die Rolle gestellt und betrachtet werden. Professioneller und exakter arbeitet eine spezielle Schierlampe. Im Prinzip ist sie nichts anderes, als ein beleuchtetes Rohr, auf dessen Oberkante das Ei platziert und durchleuchtet wird.

Wann Eier schieren?

Um die Eier nicht unnötig aus dem Brutklima zu entfernen, sollte das Schieren der Eier nur zwei Mal während der Brutphase vorgenommen werden. Der ideale Zeitpunkt liegt um den 7. Tag herum. Befruchtete Eier lassen sich dann gut am „Spinnennetz“ ausmachen. In der Mitte des befruchteten Eis ist der Keim zu erkennen, der von feinen Äderchen, ähnlich eines Spinnennetzes umgeben ist. Unbefruchtete Eier verfügen nicht über ein solches Spinnennetz. Am 14. Tag nach Brutbeginn kann erneut geschiert werden, um die Entwicklung des Kükens zu kontrollieren und abgestorbene Eier von gut entwickelten zu unterscheiden. Bei dunklen Eiern sollten „Kann-Kandidaten“ allerdings nicht direkt ausgesondert werden. Die Eischale ist schwerer zu durchschauen, als bei hellschaligen Eiern, entsprechend größer ist das Risiko, bei voreiligem Handeln entwickelte Eier fälschlicherweise auszusondern. Sinnvoller ist es daher, am 7. Tag diese „Kann-Kandidaten“ mit einem Bleistift zu markieren, um am 14. Tag nochmals genau zu kontrollieren. Ist auch dann keine regelgerechte Entwicklung erkennbar, kann das Ei entnommen werden.

Ist das Ei befruchtet oder nicht?

Befruchtete Eier lassen beim Durchleuchten am 7. Tag ein Netz aus Blutgefäßen erkennen, in dessen Mitte der Keim liegt. Dieser Keim bewegt sich in der Regel, während bei einem unbefruchteten Ei ein so genannter Hexenring erkennbar ist. Der geschlossene Ring verfügt nicht über Äderchen, wie sie bei einem befruchteten Ei zu erkennen sind. Allerdings kann, besonders bei dunklen Eiern, eine sichere Interpretation oftmals erst nach 10 Bruttagen erfolgen, während sich bei hellen Eiern schon nach 3 bis 5 Tagen die feinen Äderchen ausmachen lassen. Auch in einem späteren Stadium ist es durchaus möglich, dass es zum Absterben des Embryos kommt. Beim Schieren ab dem 14. Tag sollte ein regelrecht entwickeltes Ei dunkel wirken und nur an der stumpfen Seite des Eis eine Luftblase hell leuchten. Ein abgestorbener Embryo sackt hingegen zusammen, das Ei wirkt schwärzlich und es ist eine deutlich größere Luftblase zu erkennen. Abgestorbene Eier sollten umgehend entfernt werden, da sie Fäulnisgase bilden und dadurch leicht platzen können.