Die Brut in der Natur

Der Brutablauf von Hühnern in der Natur folgt einem festgelegten Schema. Im Prinzip ist jede Henne dazu in der Lage, befruchtete Eier auszubrüten. Voraussetzung hierfür ist natürlich ein befruchtungsfähiger Hahn und der Bruttrieb der Henne. Sobald das Ei die innere Befruchtung erfolgreich durchlaufen hat, folgt die Eiablage und die äußere Brut kann beginnen. Da ein Ei von der Befruchtung bis zur Eiablage rund 24 Stunden benötigt, „sammelte“ die Henne zunächst über eine gewisse Zeit ihre gelegten Eier. Der Entwicklung der Küken tut dieses natürliche Vorgehen keinen Abbruch. Die Embryonenentwicklung pausiert, sobald das befruchtete Ei die Henne verlässt und nicht bebrütet wird. Erst, wenn sich die Henne auf ihr Gelege setzt und fest brütet, wird der „pausierende“ Embryo im Ei durch die Wärme der Henne wieder zur Entwicklung angeregt.

Brut der Henne in der Natur

Vorbereitungen zur Brut

Hühner in freier Natur leben meistens in kleinen Gruppen, die von einem Hahn dominiert und beschützt werden. In dieser Gruppe finden sich sowohl Hennen, als auch Jungtiere, die zusammen in einer stabilen Rangordnung leben. Je nach Futterangebot stellt sich ein oder zweimal im Jahr der Bruttrieb heraus, um für den Erhalt der Gruppe zu sorgen. Kurz bevor es soweit ist, benimmt sich die brutbereite Henne auffallend unruhig und gackert viel. Oft entfernt sie sich nun in Begleitung des schützenden Hahns von der Gruppe, um innerhalb des Reviers einen geeigneten Platz für die Eiablage, meistens unter Büschen, zu suchen. Ist ein nettes Plätzchen gefunden, scharrt die Henne eine Mulde in den Boden, kleidet sie mit Zweigen und Halmen aus und legt ihr Ei ab, was in der Regel im stehen geschieht. Erst dann setzt sich die Henne, rollt das Ei mit dem Schnabel in die richtige Position und ruht sich wenige Minuten aus. Jetzt ist es an der Zeit das Nest wieder zu verlassen und den Hahn durch lautes Gegacker zu animieren, sie zur Gruppe zurückzuführen. Nicht jede Henne legt nur Eier in ihr eigenes Nest, oft werden auch die Nester der anderen brutlustigen Hennen zur Eiablage benutzt, bis das Nest mit sechs bis acht Eiern gefüllt ist.

Beginn der Brut

Sind die Nester gefüllt, beginnen die Hennen mit der Brut. Meistens liegt ihr „neues“ kleines Revier, also die Nistplätze, den sie zuvor zur Eiablage aufgesucht haben, um den Schlafplatz der Herde herum – gerne unter einer schützenden Baumgruppe. In der Nähe sind sowohl gute Futterquellen, als auch Wasser zu finden, damit die Hennen während der Brut und in der Aufzuchtphase die Nester schnell wieder aufsuchen können. In den kommenden 20 Tagen der Brut verlassen die Hennen ihr Gelege nur für kurze Zeit – zur Futter- und Wasseraufnahme, zum Koten und für Sandbäder. In der übrigen Zeit sind sie damit beschäftigt, ihre Eier zu wärmen und in regelmäßigen Abständen zu wenden. Dieser Wenderhythmus beeinflusst die Küken maßgeblich in ihren eigenen Aktivitäten. Wenige Tage vor dem Schlupf nehmen die Küken aus dem Ei heraus Kontakt mit den Geschwistern und der Mutter auf. So können sie den Bruttermin optimal abstimmen, sodass alle Küken in einem gewissen Zeitfenster geboren werden. Sobald sich alle Küken aus den Eiern gepellt haben und „getrocknet“ sind, verlässt die Hennen erstmals mit den Küken das Nest. Schon hier beginnt die natürliche Selektion des Stärkeren: Auf Küken, die zu dieser Zeit noch nicht geschlüpft sind, wird nicht gewartet!

Nach dem Schlupf

Sind alle Küken geschlüpft, kommt der erste Ausflug mit der Mutter. Weit entfernt sich die Henne nicht vom Nest, ebenso entfernen sich die jungen Küken nicht weit von der Mutter. Bei Gefahr ruft sie die Kleinen, die sodann prompt unter dem schützenden Federkleid der Mutter verschwinden. Vor allem in den ersten Tagen, wenn das Gefieder noch ein weicher Flaum ist, dauern diese Ausflüge nur kurz an. Hierbei zeigt die Henne den Küken durch Picken, was der Boden an Köstlichkeiten zu bieten hat, bevor sie wieder zum Nest zurückkehrt und den Kleinen unter ihrem Gefieder Schutz und Wärme spendet. Rund 10 bis 14 Wochen führt die Henne so ihre Küken in der freien Natur, wobei schon nach sechs bis acht Wochen kaum noch Platz unter der Henne für die dann fast vollständig befiederten Küken ist.