Hühner-Haltung >Hühnerrassen > Spanier Hühner
Man könnte meinen, die Spanier Hühner hätten ihren Namen aufgrund ihres stolzen, hoch aufgerichteten Erscheinungsbildes eines spanischen Toreros bekommen. Ein wenig Wahrheit dürfte darin zu finden sein, denn von der alten spanischen Provinz Altkastilien traten die Spanier Hühner ihren Verbreitungsweg an. Dennoch ist der Ursprung dieser Hühnerrasse nicht nachweisbar, es wird angenommen, dass die Spanier aus Westindien stammen. Bekannt wurden die ersten Rassevertreter, vor allem die weißwangigen, im Jahr 1816. Als Mittelmeerrasse waren sie sowohl in Italien Ägypten und Algerien zu finden, als auch in Griechenland und Kleinasien. Die Ägypter waren es dann, die eine methodische Auslese der Spanier Hühner verfolgten. Erstmals im Jahr 1845 tauchte das Spanier Huhn auch in englischen Schriften auf, während 1867 der erste Spanier-Liebhaber Verein von einem Mr. Rake in Bristol gegründet wurde. Bekannte Züchter wie Lane, Parsley, Jones und andere, nahmen sich seither der Spanier an und legten viel Wert auf eine gezielte, harmonische Zuchtauslese. Nach ihrem Tod wurde jedoch hauptsächlich nach Gesichtskriterien weitergezüchtet, Gefieder und Körperbau der Spanier Hühner wurden deutlich vernachlässigt.
Viele Züchter übernahmen diese neu „englische“ Zuchtrichtung, das ursprüngliche Erscheinungsbild trat in den Hintergrund und die Spanier-Zucht wurde immer weniger. Auch der zweite Weltkrieg führte zu einem erheblichen Bestandsrückgang dieser Rasse. 1970 waren es gerade einmal 6 Züchter die sich mit ihren insgesamt 40 Spanier Hühnern der Erhaltung der alten Rasse widmeten. Nach Deutschland kamen die Spanier erstmals 1844 von Holland aus, auch aus England bezog man damals seine Spanier. Nachdem der alte Sonderverein, der einst von Altmeister Theodor Glaser aus Warendorf gegründet wurde, im Jahr 1953 durch die drei Züchter Wunram, Franke und Steinhagen aus Münster wiedergegründet und die Festigung der Rasse 1983 durch importierte Zuchttiere weiter forciert wurde, konnte ihre Existenz hierzulande gesichert werden. Heute findet man wieder mehr Spanier in deutschen Hühnerställen, obwohl die Spanier eher zu denr der seltenen Hühnerrassen gehören.
Gerade die Farbe ist es, die die Spanier Hühner so besonders macht. Wohlweißlich weniger das grünglänzende, tiefe Schwarz des Gefieders, als vielmehr ihre außergewöhnliche Gesichtsfärbung. Sie besitzen eine komplett weiße Maske, also etwas ganz Besonderes unter den Haushuhnrassen, was dem Spanier im englischen Sprachgebrauch auch den Namen Clowngesicht eingebracht hat. Diese Maske, wie das Gesicht in der Fachsprache bezeichnet wird, kommt dadurch zustande, dass sich das Gesicht beginnend an Kamm und Schnabelansatz mit den Ohrscheiben verbindet. So entsteht eine große weiße Fläche, die ohne Runzeln und etwaige Federn bis tief zu den Kehllappen hinunterreicht und wie ein weißer, glacélederner Lappen erscheint. Jungtiere der Spanier sind übrigens besonders wertvoll, wenn ihr Gesicht einen leichten Blauschimmer aufweist, dieser wird jedoch mit zunehmendem Alter immer weißer. Die Augen dieser Hühner, die ebenfalls weiß eingefasst sind, bilden mit ihrem dunklen Rot einen auffallenden Kontrast zur weißen Maske. Ebenso die Kehllappen, die tiefrot die weiße Kehle umschließen und ebenso weit hinunterreichen, wie die Ohrscheiben. Die Läufe sind, wie der Schnabel auch, von dunklem Schiefer, werden im Alter jedoch blaugrau.
Hahn und Henne der Spanier gleichen sich, bis auf die geschlechtsspezifischen Merkmale, nahezu 1 zu 1. Lediglich die Kehllappen und die weiße Maske der Henne reichen nicht so weit hinunter wie die des Spanier Hahns. Daher wirkt das Gesicht der Henne deutlich kürzer, als das des Hahns. Auch die Walzenform ist etwas ausgeprägter, als beim männlichen Pendant, die Henne darf ruhig etwas vollschlank sein und sollte über einen tiefen, breiten Bauch und eine gute Brustwölbung verfügen. Der mittellange Schwanz der Spanier wird erhöht getragen, beim Hahn stärker gewinkelt, als bei der Henne, darf dabei jedoch nicht zu steil sein. Hierdurch und durch den etwas nach hinten gebogenen Hals wird die stolze Haltung dieses hoch aufgerichteten Huhns noch einmal mehr untermauert. Die Spanier Hühner zählen aufgrund ihrer Körperform zu den Landhuhnrassen und tritt mit einem Gewicht von 2,5 bis 3 Kilogramm (Hahn) und 2 bis 2,5 Kilogramm (Henne) auf.
Über einen Bruttrieb verfügen die Spanier Hühner nicht, dafür sind sie als guter Leger bekannt. Die Eier sind weißschalig und relativ groß. Abgesehen davon ist die Rasse auch durchaus zum Verzehr geeignet, zählt dabei aber keineswegs zu den Zwiehuhnrassen, weil das Hauptaugenmerk auf der Legeleistung liegt. Die Spanier Hühner sehen aufgrund ihrer Körperhaltung nicht nur temperamentvoll aus, das sind sie auch. Sie sind flinke Läufer und bei ausreichendem Auslauf auch gute Futtersucher. Neben der schönen Optik bescheren die Spanier Hühner ihrem Besitzer darüber hinaus ein gutes Eiangebot. Im ersten Jahr legt das Spanier Huhn bis zu 160 große Eier, ab dem zweiten Jahr reduziert sich die Legeleistung auf rund 130 Eier im Jahr.
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Fotos: c/o Dierk Lummermeier.
www.spanier-sonderverein.de