Zu einer Hühnerschar auf der Wiese gehört einfach ein farbenfroher, glänzender Hahn – das ist die landläufige Meinung. Doch ist es möglich, eine reine Hennengruppe zu halten, in der die Hühner sich auch ohne männlichen Beschützer wohl fühlen?

Manchmal ist es auf Grund verschiedener Faktoren nicht möglich, einen Hahn in der Herde zu halten. Fast immer sind Streitigkeiten mit den Nachbarn schuld an der Misere. Anzeigen beim Veterinäramt, schriftliche Beschwerden oder lautstarke, wüste Schimpftiraden stehen bei nicht wenigen Hühnerliebhabern an der Tagesordnung. In extremen Fällen wurde das liebe Federvieh schon von bösartigen Anrainern durch vergiftetes Futter getötet. Soweit sollte man es jedoch nicht kommen lassen und lieber auf die Haltung eines Hahnes verzichten. In einigen Gegenden oder Ortschaften besteht sogar ein gesetzlich verankertes Haltungsverbot.

Natürlich ist es für die Tiere schöner, das gesamte Spektrum des sozialen Verhaltens ausleben zu können, was eben nur mit einem männlichen Herdenmitglied durchführbar ist. Das Begleiten der Damen zum Nest und davor Wachestehen bei der Eiablag, wie es bei galanten Herren üblich ist, entfällt genauso wie das Locken zum Futter, wenn der Hahn eine besondere Leckerei entdeckt hat. Vom Balz- und Werbungsverhalten ganz zu schweigen, welches ohne Gockel leider ebenfalls entfällt.

Abgesehen davon, macht ein bunter, prächtiger Kerl, der durch den Garten stolziert schon ordentlich was her.

Die Mädls werden auch ohne Hahn brav Eier legen und können durchaus ein glückliches, sorgloses Leben führen. In männerlosen Herden übernimmt oft eine ranghohe Henne den Aufgabenbereich des Hahns – soweit das möglich ist. Sie versucht die anderen Damen zu treten, außerdem kann es passieren, dass ein solch dominantes Exemplar sogar zu krähen beginnt.

Zumindest einen Vorteil hat die Abwesenheit eines Hahnes. Bei schweren Rassen wie Brahma, Orpington oder Cochin sind die Hähne auf Grund ihrer Masse oft ungeschickt und grob. Beim Tretakt wurde nicht erst eine Henne durch einen abgerutschten Hahn mit dessen Krallen oder Sporen verletzt.

Möchte man nicht darauf verzichten, selbst Küken zu haben, gibt es die Möglichkeit, der Glucke zugekaufte Bruteier unter zu schieben. Diese wird sie ohne weiteres akzeptieren und wie ihre eigenen bebrüten. Zwergcochins oder Seidenhühner zum Beispiel sind kaum zu entglucken und meist wirklich gute Mütter. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass sich einige Küken als Hähne entpuppen werden.