Verhalten der Hühner

Das Huhn zählt bis heute zu den „unbekannten Wesen“. Ganz so, wie von ihren Vorfahren den Dinosaurier, weiß man noch viel zu wenig über das, was in ihrem Innersten vor sich geht. Haben Hühner Gefühle? Können sie lieben, sind sie schlau oder eher dumm und wie ist es sonst um ihre Intelligenz bestellt?

Lange Zeit haben sich nicht viele Wissenschaftler die Mühe gemacht, überhaupt ein wenig näher in die Tiefen des Hühnergehirns vorzudringen. Kein Wunder, denn die wenigsten Menschen haben sich je mit dem Gedanken befasst, dass unsere fleißigen Eier- und Fleischlieferanten noch weitaus andere Qualitäten haben. Erstaunlich ist daher, zu welchen Erkenntnissen die Wissenschaftler bislang gekommen sind und so mancher Hühnerhalter wird sicherlich die ein oder andere Erkenntnis mit einem Lächeln auf den Lippen teilen.

Verhalten der Hühner deuten

Jedes Huhn ist ein Individuum

Dass Hühner interessante und sehr neugierige Tiere sind, dürfte kaum einen Hühnerhalter überraschen. Selbst Neulinge in der Hühnerzucht ahnen schnell, dass hinter dem gefiederten Hof- und Gartenbewohner mehr steckt, als nur ein gackerndes Tierchen, dass fast den ganzen Tag mit der Futtersuche verbringt und sich den ein oder anderen Rangordnungskampf liefert.

Spätestens seit dem Käfigverbot für Legehennen dürfte auch den Hartgesottensten klar sein, dass Hühner eine artgerechte Haltung brauchen. Und warum? Weil sie Gefühle haben und man mittlerweile annimmt, dass sie ebenso intelligent sind, wie Waldi, Minka und einige Primaten.

Hühner lieben sich
Die beiden sind die besten Freundinnen und immer zusammen unterwegs.

Sie schließen Freundschaften, können einander erkennen, lieben ihre Kinder und verbringen den lieben langen Tag mit den Sachen, die ihnen Spaß machen – vorausgesetzt, sie haben in einer möglichst natürlichen Haltungsform überhaupt die Möglichkeit dazu. Jedes Huhn hat eine mehr oder weniger ausgeprägte, bzw. für den Menschen sichtbare Persönlichkeit. Manche Hühner sind besonders vorwitzig, einige hingegen eher zurückhaltend und schüchtern, die anderen wiederum mutig und draufgängerisch, bis hin zu aggressiv und es gibt sogar Hühner, die auf Musik stehen und die Gesellschaft ihres Menschen regelrecht genießen.

Glucke kümmert sich rührend um Küken
Glucke kümmert sich rührend um jedes einzelne Küken.

Gerade bei der Kükenaufzucht durch die Glucke lässt sich deutlich erkennen, wie sehr die Glucke jedes einzelne Küken liebt. Besteht Gefahr für die Küken, attakiert die Glucke selbst Hunde oder Katzen um die Küken zu schützen.

Hühner sind wahre Intelligenzbestien

Was Wissenschaftler in den vergangenen Jahren über die Intelligenz der Hühner herausgefunden haben, dürfte die meisten ziemlich überraschen. Ihre kognitiven Fähigkeiten übersteigen gar die eines Kleinkindes und liegen damit ähnlich hoch, wie die von Hund und Katze. So fand der australische Tierverhaltensforscher Dr. Chris Evans beispielsweise heraus, dass Hühner sehr wohl verstehen, dass versteckte Gegenstände noch vorhanden und keineswegs verschwunden sind, nur, weil sie gerade außer Sichtweite sind.

Auch in Sachen Kommunikation stieß Evans auf Erstaunliches. Hühner können sich unterhalten und das sogar sinnbringend – eine Fähigkeit, die sonst nur Primaten an den Tag legen. So fand der Australier heraus, dass Hühner sich über Futterstellen gegenseitig informieren, genau, wie es Primaten handhaben. Hierzu verwenden sie bis zu zwanzig verschiedene Töne für eine Futterart. Das „Gackern“ bei einem Futterwechsel hört sich daher ganz anders an, als das „Gackern“, wenn es um das gewöhnliche Futter geht.

Mache selbst den Gacker-Test

Füttere deinen Hühnern gewöhnliches Hühnerfutter und zeichne das Gackern mit dem Smartphone auf. Dann biete ihnen ein besonderen Snack wie Mehlwürmer, Obst oder gekochte Kartoffeln an und zeichne auch nun wieder das Gegacker auf. Nun vergleiche die Laute. Du kannst selbst feststellen, wie sie sich unterscheiden.

Hühner sind sehr sozial

Mit dem Sozialverhalten der Hühner haben sich bereits zahlreiche Wissenschaftler befasst und dabei interessante Entdeckungen gemacht. So fand Dr. Joy Mench von der University of California heraus, dass Hühner ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten an den Tag legen. Dass die Pickordnung der sozialen Rangfolge dient, ist bereits hinlänglich bekannt, dass Hühner aber mehr als hundert andere Hühner erkennen und sich sogar an sie erinnern können, dürfte den meisten Hühnerhaltern neu sein.

Hühner kennen sich untereinenader
Ein Huhn kennt auch unter mehreren Hundert anderen Hühner jedes einzelne Tier.

Nicht nur die Pickordnung dient dabei der Klärung der Rangfolge, auch mehr als dreißig verschiedene Verständigungslaute helfen den Hühnern dabei, ihre Artgenossen voneinander zu unterscheiden. Tiefe Freundschaftsbeziehungen zu anderen Hühnern sind dabei keine Seltenheit.

Gesellige Hühner - Sozialverhalten

Einige Bindungen sind so eng, dass beim Tod der geliebten „Freundin“ die Trauer so groß ist, dass das verlassene Huhn selbst ebenfalls kurze Zeit später stirbt. Emotionen, wie Eifersucht, sind bei Hühnern ebenfalls oft zu beobachten. Dies wird schnell deutlich, wenn sich ein Hahn um seine Lieblingshenne kümmert und eine andere Henne mit lauten Gackern auf sich aufmerksam macht.

Vor allem, wenn die Hühnerherde Zuwachs durch ausgewachsene Hennen bekommt, ist das Gezanke am Anfang groß. Einige Hennen gehen gar soweit, dass sie das Eierlegen in dieser Zeit gänzlich einstellen. Auch das Aufopfern für die eigenen Kinder ist eine Gabe, mit denen Hühner von Natur aus beschenkt wurden. Sie kümmern sich rührend um den Nachwuchs und führen ihn sicher durch alle Widrigkeiten des (Hühner-)Lebens.

Die britische Biologin Joanne Edgar attestierte Hühnern zudem die Fähigkeit, echtes Mitgefühl zu entwickeln. Bislang war dieses Verhalten nur von den, als sehr intelligent geltenden, Raben bekannt. Kenntlich machte sie das bei einem Experiment mit einer gluckenden Henne. Die Wissenschaftlerin setzte die Henne und eines ihrer Küken in einen, nur durch eine Plexiglasscheibe getrennten, Käfig und ärgerte entweder Henne oder Küken mit harmlosen Luftstößen. Selbst ohne, dass das Küken Stressrufe von sich gab, geriet die Vogelmutter in den selben Stresszustand, wenn ihr Küken drangsaliert wurde, als wenn der Luftstrom auf sie traf. Ihre Reaktion war ein eindeutiger Beweis dafür, dass sie mit ihrem Küken mitfühlt.