Kalkbeinmilben

Sie erinnert optisch ein wenig an eine Zecke mit Stummelbeinen, allerdings ist sie nicht mit bloßem Auge zu sehen. Dafür ist Knemidocoptes mutans, besser bekannt als Kalkbeinmilbe, nicht weniger lästig für ihren gefiederten Wirt, vom Halter des Federviehs einmal ganz abgesehen.

Biologie der Kalkbeinmilbe

Biologisch betrachtet, schweben Kalkbeinmilbe und Zecke sogar im gleichen Universum, denn beide gehören sie zur Klasse der Spinnentiere und derselben Unterklasse, den Milben an. Knemidocoptes zählt zur Unterordnung der Hornmilben und ist hier mit mindestens vier Arten vertreten. Während Knemidocoptes pilae für die Schnabelräude der Papageien verantwortlich ist, trifft man auf K. jamaicensis hauptsächlich bei Tauben und Singvögeln, während K. mutans sich an die Beine von Puten und Hühnervögeln (auch bei wildlebenden Populationen) heftet. Unter dem Mikroskop betrachtet, fällt auf, dass das Weibchen fast doppelt so groß ist, wie das Männchen und ihre Beinstummel mit Krallen versehen sind. Das Männchen verfügt lediglich über Haftnäpfe.

Lebensraum und Entwicklung der Kalkbeinmilbe

Der Lebensraum dieser Ektoparasiten ist die oberste, verhornte Epithelschicht der unbefiederten Hühnerfüße. Meistens beginnen sie ihren Siegeszug im Zwischenzehenbereich, das Eindringen ist hier besonders leicht. Die weibliche Kalkbeinmilbe gräbt sich mit ihren Kauwerkzeugen durch die Ephitelschicht bis hin zur Basalzellschicht, vor der Lederhaut macht sie also Halt. Innerhalb des Epithelgewebes liegen zwar keine Blutgefäße, dafür aber jede Menge Nerven und Sinneszellen für etwaige Berührungsreize – das Graben der Milbe ist für das Huhn also recht unbehaglich. Am Ende des Fraßgangs gebärt Knemidocoptes mutans dann Larven, die nach zwei Nymphenstadien zur erwachsene Milbe mutieren. Diese Entwicklung dauert bei weiblichem „Nachwuchs“ 26 Tage, männlichen Nachkommen sind mit 20 Tagen etwas schneller ausgewachsen.  Zusätzlich zu den Larven legt die weibliche Milbe aber auch noch Eier in die Fraßgänge. Was es hiermit auf sich hat und warum neben den Larven auch noch eine Eiablage erfolgt, wurde allerdings noch nicht hinreichend erforscht.

Befall mit Kalkbeinmilben erkennen

Es ist nicht sofort auf den ersten Blick ersichtlich, dass ein Huhn mit Kalkbeinmilben infiziert ist. Die Milbe kann über lange Zeit latent auf ihrem Wirt vorhanden sein, ohne diesem etwaige Probleme zu verursachen. Die Milben werden durch direkten Köperkontakt übertragen, problematisch insbesondere bei Glucken, die die Milben dann an ihre Küken übertragen. Die Übertragung kann aber auch durch den Kontakt mit abgefallenen, kontaminierten Borken und Krusten erfolgen. Vor allem jungen Tieren sieht man den Milbenbefall an seinen typischen Erkennungszeichen meist selten an, was einer möglichen Ausbreitung durch Ansteckung den Weg natürlich sehr leicht macht. Die pathognomonischen (für diese Erkrankung charakteristischen) Krankheitszeichen – graue bis kalkfarbene oder auch gelbliche, poröse Hornhautwucherungen an den unbefiederten Füßen – sind bei älteren Tieren wesentlich stärker ausgeprägt. Farbige Hühnerrassen sollen zudem häufiger von Kalkbeinmilben befallen sein als weiße Rassen. Die mehr oder minder dicken Krusten an den Beinen werden zum einen durch die Fraßtätigkeit der Milben beim Bohren ihrer Gänge verursacht, zum anderen enthält ihr Speichel Kreatinase, den sie beim Beißen in die Epidermis abgeben. Starker Juckreiz und eine immer weiter voranschreitende Entzündung der Haut gehen zu Lasten des Allgemeinbefindens was Leistungseinbußen nach sich zieht. Durch die teilweise massive Entzündungsreaktion und enorme Krustenbildung kommt es außerdem zu Bewegungseinschränkung, von Lebensfreude ist das stark mit Kalkbeinmilben befallene Huhn weit entfernt.

Kalkmilben bekämpfen

Als Mittel der Wahl wird von vielen Tierärzten ein Ivermectin-haltiges Medikament verabreicht. Das kann entweder per Injektion unter die Haut erfolgen oder über ein so genanntes Spot on Präparat über die Haut. Das gründliche Reinigen von Böden und Sitzstangen sollte selbstverständlich sein, um den Behandlungserfolg zu unterstützen und mögliche Knemidocoptes Milben in der direkten Umgebung des Huhns zu eliminieren. Neben der „chemischen Keule“ gibt es jedoch auch bewährte Alternativen. Hierzu zählt zunächst das sanfte Ablösen starker Verkrustungen von den Hühnerbeinen. Hilfreich und für das Huhn angenehmer, da weniger schmerzhaft, ist das vorherige Einweichen der Borken und Krusten mit Hilfe von Glycerin oder Schmierseife, auch Salizyl Öl leistet gute Dienste. Nach dem Einweichen lassen sich die Krusten gut entfernen, sodass die Hühnerbeine für die eigentliche Behandlung gut vorbereitet sind. Hierzu sollten die Hühnerbeine (bis zum Gefiederansatz!) in Öl getaucht werden. Bewährt hat sich Ballistol-Öl, da es dank seiner hohen Kriechfähigkeit selbst in die kleinsten Hautrisse vordringen kann und so zuverlässig selbst gut versteckte Milben erreicht. Diesen wird durch das Öl die Luft abgeschnitten, ihre Atmungslöcher „verkleben“ durch das Öl, was zum raschen absterben führt. In der Regel sind nach einem Tauchbad sämtliche Milben getroffen, um auf Nummer sicher zu gehen, sollte die Tauchkur jedoch einige Tage in Folge erfolgen. Das hat nicht nur den Vorteil auch wirklich die letzte Kalkbeinmilbe zu erwischen, sondern pflegt und desinfiziert die angegriffene Haut und kann so auch vor etwaigen Sekundärinfektionen schützen. Behandelt werden sollten darüber hinaus nicht nur die offensichtlich betroffenen Hühner, sondern alle Hühner, um latent Milbenpopulationen gleich den Garaus zu machen. Vorbeugen lässt sich, insbesondere bei freilaufenden Hühnern, die nicht hermetisch von der Umwelt abgeriegelt sind, gegen die Kalkbeinmilbe kaum. Ein Höchstmaß an Reinlichkeit im Umfeld der Hühner (Sitzstangen, Böden) und eine pauschale „Tauchkur“ für neuankommende Hühner im Bestand empfiehlt sich jedoch, um der Kalkbeinmilbe bzw. Kalkbeinen bei Hühnern vorzubeugen.