Eiproduktion im Nebenerwerb mit einem mobilen Hühnerstall

Sein Hobby zum Beruf machen, das ist für viele eine Traumvorstellung. Doch das Risiko, die Unsicherheit und die finanziellen Investitionen sind groß. In diesem Artikel möchten wir auf die Möglichkeit eingehen, mit einigen Hühnern und einem mobilen Hühnerstall – im Nebenerwerb – Eier zu produzieren und zu verkaufen.

Der mobile Hühnerstall

Warum ein mobiler Hühnerstall?

Ein mobiler Hühnerstall bietet mehrere Vorteile und ist daher für ein solches Vorhaben ideal.

Die wichtigsten Vorteile des mobilen Hühnerstalles sind:

  • Kein fester Standort notwendig: Ein Stück Wiese, das von einem Landwirt gepachtet werden kann, ist schnell gefunden.
  • Geringer Futterbedarf: Durch regelmäßiges Versetzen, an einen neuen Standort mit frischen Wiesenkräutern, finden die Hühner stets viel natürliches Futter.
  • Artgerechte Form der Hühnerhaltung: Viel Auslauf, Platz und Möglichkeiten für die Hühner, das natürliche Verhalten auszuleben.
  • Geringer Reinigungsaufwand: Im Vergleich zur Stallhaltung wird über 70% des Kotes der Hühner auf der Wiese gelassen und muss nicht aus dem Hühnerstall transportiert werden.
  • Wenig Medikamente und Desinfektionsmittel notwendig: Dadurch, dass der Stall regelmäßig an einen anderen Standort verschoben wird, entstehen keine Schwierigkeiten der Parasitenbelastung des Bodens (Würmer).
  • Skalierbarkeit: Verwendet man bereits einen mobilen Hühnerstall mit finanziellem Erfolg, kann man problemlos einen zweiten in unmittelbarer Nähe aufstellen.
  • Marketing und Werbefläche: Bei den Planungen wird man meist noch nicht daran denken, doch ein mobiler Hühnerstall an exponierter Stelle (beispielsweise an einer Straße) – mit etwas Werbung – kann bei der Vermarktung der Hühnereier sehr hilfreich sein.
  • Einfacher Auslauf durch Geflügelnetz möglich
  • Geringe Anschaffungskosten: Ob man für 50.000€ einen professionellen mobilen Hühnerstall für 1.000 Hühner erwirbt oder für wenige Euro aus einem alten Bauwagen selbst einen mobilen Hühnerstall baut, hängt sicher vom finanziellen Budget ab.

Die Kosten im Blick behalten

Natürlich sollte man, noch bevor man ein solches Projekt umsetzt, die Kosten kalkulieren. Was kostet das Futter im Monat? Was kostet der Hühnerstall und was die Hühner? Welchen Preis muss man mit den Eiern erzielen, um wirtschaftlich zu sein?

Hier sollte man unbedingt eine solide Kalkulation aufstellen, welche die einmaligen und regelmäßigen Kosten den zu erwartenden Einnahmen gegenüberstellt.

Ein weiterer Blick sollte auch auf die rechtliche Situation geworfen werden. Im Gegensatz zur privaten Hobbyhühnerhaltung handelt es sich hierbei um ein Vorhaben mit „Gewinnerzielungsabsicht“. Daher muss hierfür eine Gewerbeanmeldung erfolgen und die Einnahmen und Ausgaben regelmäßig an das Finanzamt übermittelt werden.

Dadurch entsteht auch ein gewisser Buchhaltungsaufwand, der eingeplant werden soll. Rechnungen müssen erstellt und bezahlt werden. Stammkunden müssen verwaltet, informiert und beliefert werden. Hierzu sollte man auf bewährte Software wie das Rechnungsprogramm von Lexware zurückgreifen. Dadurch kann man sich hohe Kosten sparen und die Rechnungsverwaltung selbst vornehmen.

Hühnereier verkaufen – Wie? Wo und Womit?

Nachdem der mobile Hühnerstall erworben oder gebaut worden ist und ein Standort gefunden wurde, können die Hühner einziehen und dem geplanten Vorhaben Leben einhauchen. Wenn man die Hühner das erste Mal aus dem Hühnerstall kommen sieht, ist das sicher ein erfüllender Moment.

Hühnereier aus dem mobilen Hühnerstall

Doch hat man den ersten Korb mit frischen Hühnereiern aus dem Stall geholt, stellt sich schnell die Frage: Wohin mit den Eiern?

Im nächsten Schritt sollte man sich Gedanken machen, an wen man die Eier verkaufen möchte und wie man Käufer findet.

Wirkungsvolle Ideen für den Absatz der Hühnereier:

  1. Örtlichen Bäcker und Fleischer kontaktieren: Ist der Fleischer oder Bäcker am Ort daran interessiert, einige Eier in Kommission auf die Theke zu stellen, um das Projekt zu unterstützen?
  2. Nachbarn und Freunde befragen: Kann man die Nachbarn und Freunde von der Qualität der Eier und der naturnahen Haltungsform der Hühner überzeugen?
  3. Infotage und Besichtigungstermine veranstalten: Veranstaltungen am mobilen Hühnerstall, an denen man jungen Familien oder Schulklassen das Nutztier Huhn näherbringt, sind meist eine gute Gelegenheit, Käufer für die Eier zu finden.
  4. Zeitungsartikel in der örtlichen Tageszeitung: Vielleicht hat die örtliche Zeitung ein Interesse daran, von dieser zukunftsfähigen Art der Hühnerhaltung zu berichten?

Der erste Lieferengpass: Der Winter kommt!

Hat man die ersten Hürden genommen und zahlreiche Käufer für die Hühnereier gefunden, so wird man im Herbst feststellen, dass die Legeleistung der Hühner abnimmt. Im Winter sinkt die Legeleistung mitunter drastisch. Kalte Temperaturen und kurze Tage sorgen nicht selten dafür, dass nur noch wenige Eier in den Legenestern zu finden sind. Doch Stammkunden wollen bedient werden und auch Neukunden sind bei Lieferschwierigkeiten nicht immer geduldig.

Leeres Hühnernest im Hühnerstall

Hier kann man auf unterschiedliche Weisen gegensteuern:

  1. Abnehmer aufklären: Entscheidend ist wohl die offene Kommunikation mit den Verbrauchern. Idealerweise klärt man die Interessenten bereits im Sommer darüber auf, das naturnah gehaltene Hühner im Winter weniger Eier legen. Bei Stammkunden kann man versuchen zu vereinbaren, dass im Winter nur die Hälfte der üblichen Anzahl geliefert werden kann.
  2. Reduzierung der Legeleistung abmildern: Durch einige Faktoren kann man die Reduzierung der Legeleistung im Winter etwas abmildern. Beispielsweise kann bei der Wahl der Hühnerrasse bereits darauf geachtet werden, dass diese als „Winterleger“ eingestuft ist und auch im Winter Eier legt. Eine weitere Möglichkeit ist es, bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang eine Beleuchtung einzuschalten. Dadurch verlängert man den Tag künstlich um eine Stunde und sorgt so für eine bessere Legeleistung.

Erfahrungswerte anderer nutzen

Bevor man ein solches Vorhaben umsetzt, sollte man bereits Erfahrungen mit der Hühnerhaltung gesammelt haben und ein Gefühl für das Tier entwickelt haben.

Auch Gespräche mit Gleichgesinnten, die ein solches Vorhaben bereits umgesetzt haben, sind unverzichtbar. So lässt sich sicher der ein oder andere Fehler vermeiden.