Entwicklungsphasen der Küken

Die ersten Tage im Leben eines Kükens sind eine sehr sensible Phase. In dieser Zeit vollzieht sich die Prägung und die sollte nach Möglichkeit so ungestört wie möglich vonstatten gehen. Ist die Bindung zwischen Glucke und Küken erst einmal gefestigt, so ist die intime Bindung auch schon fast wieder vorbei. Nach gut vier Wochen beginnen die Küken nämlich zunehmend selbstständiger zu werden, bis sie letztendlich von der Henne „weggepickt“ werden. Bedenkt man, dass die Phase der familiären Bindung beim Menschen doch recht lang andauert, sind Hühner echte Frühzünder!

Küken aus Naturbrut

Die Entwicklung des Kükens

Die Prägephase hat ihren Höhepunkt in der 13. bis 16. Stunde nach dem Schlupf der Küken. In dieser Zeit prägen sich die Küken nicht nur die Stimme der Henne, die sie schon im Ei vernommen haben, genau ein, sondern auch die Optik ihrer Mutter. Im Gegensatz dazu kann die Glucke ihre Küken in den ersten Tagen nicht unterscheiden und hat auch keine Ahnung, wie viele Küken aus ihrem Gelege geschlüpft sind. Erst, wenn eine Großzahl der Küken fehlt, bemerkt sie den Verlust und reagiert mit Unruhe. Die erste Phase in der Entwicklung der Küken wird als totale Konzentrationsphase bezeichnet. Für die Küken ist die Glucke der absolute Lebensmittelpunkt und eine hervorragende Lehrerin. Sie beschützt ihre Nachzucht und zeigt ihnen, wie die Futteraufnahme funktioniert. Hierzu versammeln sich die Küken im Halbkreis um die Glucke und fixieren ihren Schnabel. Die Glucke wird nun Futter aufnehmen und wieder fallen lassen, um die Küken ihrerseits zum Picken zu animieren.

Küken beim Fressen von Futter

Die zweite Entwicklungsphase beginnt ab dem vierten Tag nach dem Schlupf und dehnt sich bis zum 16. Tag aus. Man spricht von der fluktuierenden Kontaktzone, in der sich die Glucke zusammen mit ihren Küken nun weiter vom Nest entfernt, als in den ersten drei Tagen. Die Küken hingegen bleiben immer in Mutternähe und entfernen sind kaum mehr als drei Meter von ihr.

Die dritte und letzte Phase wird als Dispersionsphase bezeichnet. Die Küken kennen und erkennen sich jetzt bereits untereinander und entfernen sich mitunter so weit von der Glucke, dass diese sie des öfteren aus den Augen verlieren kann. Ist Gefahr in Verzug oder ertönt der Ruf der Glucke, versammeln sich die Küken jedoch sehr zügig wieder bei ihrer Mutter.

In allen Phasen reagiert die Henne stark auf akustische Reize. Piepst eines ihrer Küken, läuft sie in dessen Richtung und attackiert, wenn nötig, den Reizauslöser. Bleibt das Piepsen aus, reagiert die Glucke nicht und kümmert sich auch nicht um ihr gefährdetes Küken. Ab der 5. Woche sind die Küken dann so selbstständig und auch ihre körperliche Entwicklung so weit vorangeschritten, dass sie kaum noch den Schutz unter der Glucke suchen. Ab jetzt nehmen sie ihren eigenen Platz auf der Sitzstange ein und langsam aber sicher löst sich der Familienbund auf. Spätestens in der achten Woche entdeckt die Glucke dann ihr Leben wieder für sich, der Hormonhaushalt hat sich umgestellt und der Mutterinstinkt ist entsprechend erloschen. Nun beginnt sie, die Küken wegzupicken, in dem sie bei etwaigen Annäherungsversuchen nach ihnen hackt.

Die Fütterung der Küken und Junghennen

Während der Entwicklungsphase sollten die Küken ein auf ihre kleinen Schnäbel und das Wachstum angepasstes Futter angeboten bekommen.

Küken

Will man nicht auf im Handel erhältliches Kükenfutter zurückgreifen, kann das Grundfutter aus Bruchreis, Haferflocken, geschälter Hirse und geschrotetem Weizen auch selber hergestellt werden. Grünfutter wie Brennnesseln, Salat, Löwenzahl oder Spinat gibt man in kleingehackter Form dazu. Erde, Muschelkalk und Flusssand sollte, ebenso wie frisches Wasser, ständig zur Verfügung stehen. Futter wird fünf bis sieben Mal am Tag gereicht und zwar in den Mengen, die in kurzer Zeit aufgefressen werden. Auch ein großzügiger Auslauf ist für die Entwicklung der Küken sehr willkommen, so könne sie viele Mineralien, Vitamine und Eiweiß aufnehmen und ihr Immunsystem stärken. Ab der vierten Woche genügt es, die jungen Küken zwei bis drei Mal zu füttern. Auch das Futter darf jetzt ein wenig „größer“ und gehaltvoller ausfallen, die Haferflocken können zum Beispiel durch Getreideflocken ersetzt werden und langsam kann der Umstieg auf Junghennenfutter erfolgen. Steht nur ein bedingtes Maß an Auslauf zur Verfügung, so sollte zusätzlich Grünfutter verabreicht werden. Hierzu eignet sich neben Salat und Gemüse kurzgeschnittenes Gras sehr gut. Mit Mangelerscheinungen ist dann kaum zu rechnen, ebenso nicht, wenn ausreichend „gehaltvoller“ Auslauf zur Verfügung steht.