Mykoplasmose

Es gibt zahlreiche Infektionskrankheiten, die unseren Hühnern zu schaffen machen. Einige von Ihnen lassen sich dabei exakt einer Ursache zuordnen, andere wiederum sind von beeinflussenden Faktoren abhängig, um zum Ausbruch zu kommen. Diese werden dann als Faktorenkrankheiten bezeichnet, denn der Krankheitserreger selbst ist in der Regel nicht dazu in der Lage, so viel Kraft zu entwickeln, dass die Krankheit ausgelöst wird. Vielmehr ist eine Schwächung des Immunsystems nötig, damit sich die Krankheit manifestieren kann. Die Mykoplasmose ist so eine Faktorenkrankheit, die als chronische, seuchenhafte Infektion durch Bakterien aus der Klasse der Mollicutes hervorgerufen wird.

Kurzer Einblick in die Mykoplasmose

Bei Hühnern, die mit Mykoplasmose infiziert sind, kommt es meistens nicht zur klinischen Symptomatik. Das heißt, man merkt ihnen die Infektion nicht an. Die Erreger können von infizierten Elterntieren über das Ei an die Nachkommen weitergegeben werden. Erst, wenn fördernde Umstände hinzukommen, das Immunsystem des infizierten Huhns also geschwächt wird, kommt es zum Ausbruch der Krankheit und Krankheitssymptome zeigen sich.

Auslöser können dabei andere Infektionen sein, zum Beispiel E. coli., hohe Besatzdichte, schlechte Haltungsbedingungen, Stress, Fütterungsfehler und weitere äußere Einflussgeber auf das Wohlbefinden. Besonders gefährdet sind Jungtiere im Alter von 4 bis 8 Wochen, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgeprägt ist.

Aufgrund der zumeist besseren und tierfreundlicheren Haltungsbedingungen ist die Mykoplasmose weitaus weniger häufig im privaten Hühnerhalterbereich zu finden, als in großen Mast- und Zuchtbetrieben.

Der Erreger der Mykoplasmose

Verantwortlich für die Mykoplasmose sind die Mykoplasmen – eine Bakterienart aus der Gruppe der Mollicutes. Im Gegensatz zu allen anderen Bakterien haben Mykoplasmen keine Zellwand. So sitzen sie wie kleine Schmarotzer in oder auf ihren Wirtszellen und nehmen sich von ihnen, was sie zum Leben so brauchen.

Ein gesunder Organismus hat mit diesem parasitischen Verhalten der Mykoplasmen kein Problem, ein geschwächter Organismus wird hingegen noch mehr geschwächt. Hinzu kommt, dass Mykoplasmen einen chronischen Infektionscharakter haben und monatelang auf ihrem Wirt leben, ohne Probleme zu verursachen. Währenddessen wird der Wirt über die Körpersäfte zum permanenten Ausscheider der Bakterien, was ihr Fortbestehen und ihre Verbreitung sichert. So gelangen sie zum Beispiel über Speichel, Schleim, etc. auf den nächsten Wirt und befallen diesen ebenso.

Im Geflügelbereich sind 22 Mykoplasmenarten bekannt, bei Hühnern aber nur zwei der Spezies (M. gallisepticum und M. synoviae) bedeutsame Krankheitserreger. Durch die fehlende Zellwand ist die Bekämpfung der Mykoplasten übrigens kein leichtes Unterfangen, da Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline und Cephalosporine nicht wirksam sind.

Symptome der Mykoplasmose

Bestimmte Symptome sind für die Mykoplasmose bei Hühnern charakteristisch. Je nach Erreger gibt es hierfür unterschiedliche Hinweise. Ist M. gallisepticum im Spiel, fällt zunächst eine erhöhte Sterblichkeit bei den Embryonen auf, ebenso eine schlechte Legeleistung und Entzündungen von Legedarm, Luftsäcken oder oberer Atemwege. Kommen noch weitere Sekundärinfektionen mit anderen Erregern hinzu, können Nasennebenhöhlenschwellungen und Nasenausfluss, sowie eine erhöhte Sterblichkeit beobachtet werden.

Bei der Synoviae-Mykoplasmose, die auch als infektiöse Synovitis bezeichnet wird, zeigt sich das Krankheitsbild in zwei unterschiedlichen Formen. Die Gelenksform beginnt mit einem verschlechterten Allgemeinbefinden, auf das Entzündungen der Gelenke, Sehnenscheiden und Schleimbeutel folgen. Bewegungsunlust ist dann die Folge, ebenso fällt ein unterschiedliches Wachstum gleichaltriger Hühner ins Auge. Die Gelenksform der Mykoplasmose muss sich aber nicht zwangsläufig im Gelenkbereich zeigen, auch eine Atemwegssymptomatik ist beim Erreger M. synoviae möglich. Hierbei stehen Entzündungen der Luftsäcke im Vordergrund und Sekundärinfektionen tragen zum Schweregrad der Symptome bei. Eine unterschiedliche Entwicklung der Jungtiere ist auch bei dieser Form der Mykoplasmose zu erkennen.

Behandlung und Vorbeugung der Mykoplasmose

Die beste Behandlungsmöglichkeit der Mykoplasmose liegt in der Vorbeugung. Durch eine gute Hygiene und eine rigorose Zuchtauswahl können Bestände Mykoplasmose-frei gehalten werden. Was bei der Hobbyhühnerhaltung in der Regel einfach durchzuführen ist, bzw. oft ohnehin selbstverständlich ist, gestaltet sich in der Massentierhaltung eher schwierig. Nicht selten wird bei Befall, vor allem der Zuchttiere, eine komplette Keulung vorgenommen.

Der vorbeugende Einsatz von Antibiotikum ist ebenfalls als wirksamer Schutz gängig und nicht zuletzt sind noch die Impfungen gegen Mykoplasmose zu nennen, die allerdings nicht unumstritten sind.

Der Hobbyhühnerhalter tut gut daran, seinen Bestand auf den Erreger testen zu lassen, was durch einen Antikörpernachweis im Blut problemlos möglich ist.

Eine optimale Haltung und das in Quarantäne setzen und testen von Neuzugängen vervollständigt die wirksamen Maßnahmen gegen Mykoplasmose ebenfalls.