Newcastle-Krankheit

Eine der wohl verheerendsten Krankheiten, die im heimischen Geflügelbestand ausbrechen kann, ist die Newcastle Krankheit, landläufig auch als Geflügelpest, bzw. Pseudo-Vogelpest bekannt. Eine Viruserkrankung, die nicht nur Hühner befällt – sondern auch andere Vögel – und die mit einer hohen Mortalitätsrate einhergeht. Hinzu kommen das hohe Ansteckungspotenzial dieser seuchenhaften Geflügelkrankheit und die Tatsache, dass gegen sie kein Kraut gewachsen ist.

Das Krankheitsbild bei Newcastle

Das klinische Krankheitsbild – jene Symptome, die sich beim Ausbruch der Krankheit bei den Hühner zeigen – variieren bei der Newcastle Krankheit sehr stark. So können die Symptome sehr mild ausfallen, mitunter sind sie gar nicht zu beobachten, sie können sich aber auch durch extreme Durchfälle, Atemwegsinfekte oder zentralnervöse Störungen äußern. Häufig führen Sekundärinfektionen, die die eigentlichen Infekte begleiten in den milden Verlaufsformen zum Tode. Die schwerwiegendste Form der Newcastle Krankheit ist jedoch durch einen sehr kurzen Verlauf gekennzeichnet, der mit dem plötzlichen Tod der Hühner endet und in der Regel eine Mortalitätsrate von 100 Prozent erreicht. Das perfide an der schweren Form: Die Krankheitsübertragung auf benachbarte Bestände geht rasend schnell. Besonders bei wirtschaftlich gehaltenen Legehennen- oder Elterntierbeständen kann die Newcastle-Krankheit böse finanzielle Auswirkungen nach sich ziehen. Hier schlägt sich die Krankheit nämlich direkt auf die Wirtschaftlichkeit nieder, denn die Legeleistung bricht ein und auch die Qualität von Eischale und Eiklar leidet unter der Geflügelpest.

Die Newcastle Krankheit erkennen

Typische Symptome gibt es bei der Newcastle Krankheit nicht, im Gegenteil. Der erste Eindruck ist lediglich eine Verhaltensänderung der Hühner, auch das Erscheinungsbild ist nicht mehr so, wie es sonst ist. Die Hühner sitzen aufgeplustert herum, zuvor ist meistens schon ein Rückgang der Legeleistung zu beobachten. Atembeschwerden gesellen sich nun vielleicht noch zur allgemeinen Apathie und Appetitlosigkeit hinzu. Charakteristisch für die Newcastle-Krankheit sind zudem grünliche Ausscheidungen, sehr wässrig, die mitunter blutvermengt sein können. Die Hühner haben hohes Fieber (bis 43 Grad Celsius), die Atemnot wird durch den Schnabel und Augen bedeckenden, zähen Schleim nun noch schlimmer und Durchblutungsstörungen zeigen sich (zu erkennen an der Dunkelfärbung des Kammes), ebenso wie Lähmungserscheinungen. Binnen weniger Tage – ca. 5 Tage nach den ersten Symptomen – tritt der Tod ein. Die Inkubationszeit bei der Newcastle Krankheit liegt zwischen 4 und 6 Tagen. In machen Fällen breitet sich die Krankheit so schnell aus, dass vorab keine Symptome zu erkennen sind. Das ist besonders fatal, denn längst konnte der Mensch die Krankheit unwissend aus dem eigenen Hühnerstall heraustragen und verbreiten.

Verursacher – Paramyxo Viren

Verursacht wird die Newcastle Krankheit durch ein Paramyxo Virus des Serotyp 1. Besonders empfänglich für die Viren sind Truthühner und Hühner jeglicher Altersklassen. Auch Tauben, Wachteln, Fasanen, Pinguine, Raben und einige weitere Vogelarten können an der Newcastle Krankheit erkranken. Selbst der Mensch ist vor einem Angriff der Viren nicht gefeit, allerdings richten die Viren hier deutlich weniger Schaden an. In Einzelfällen, bei sehr engem Kontakt befallener Hühner zum Halter, können die Viren beim Menschen eine Bindehautentzündung auslösen. Bei den betroffenen Hühnern befallen sie hingegen Lunge, Darm und Zentralnervensystem, wo sie punktuelle Blutungen auslösen und den Organismus so weit schädigen, dass der Tod eintritt.

Übertragungswege und Vorbeugemöglichkeiten

Ist ein Huhn mit dem hochansteckenden Newcastle Virus infiziert, so scheidet es das Virus selbst in großen Mengen aus. Das geschieht sowohl über die Exkremente, als auch über andere Körperflüssigkeiten wie Augen-, Nasen- oder Rachensekret. Doch nicht nur in direktem Kontakt von Huhn zu Huhn können sich die Erreger somit schnell verbreiten, sie können auch über die kontaminierte Atemluft weitergetragen werden. Ebenso ist die Überlebensrate der Viren extrem hoch. Selbst in Tiefkühlkost überlebt das Newcastle Virus bis zu einem halben Jahr, in Trockenei kann es sogar nach zwei Jahren noch nachgewiesen werden. Besonders markant ist die rasche Geschwindigkeit, mit der sich diese seuchenartige Erkrankung ausbreitet. Durch Stallstaub der an Kleidung, ja selbst an Fahrzeugreifen haftet, lässt sich der Erreger bequem über weite Strecken kutschieren, um einen bis dato gesunden Bestand innerhalb von wenigen Tagen dahinzuraffen. Werden Eier oder Fleisch infizierter Hühner transportiert, kann selbst das Verpackungsmaterial von den Viren genutzt werden, um sich in andere Bestände einzuschleichen. Dies ist auch der Grund, weshalb die Newcastle Krankheit nicht nur zu den meldepflichtigen Tierkrankheiten zählt, sondern auch einer Impfpflicht (Impfung über das Trinkwasser) unterliegt. Wird dennoch ein Ausbruch der Newcastle Krankheit festgestellt, reagiert das Veterinäramt sofort mit entsprechenden Schutzmaßnahmen (Keulen des Bestands, Desinfektion von Ställen, Gebäuden und Fahrzeugen, großräumiges Sperr- und Beobachtungsgebiet mit Stallzwang für Geflügel, etc.). Gerne wird die Geflügelpest-Verordnung dahingehend interpretiert, dass nur Massentierhalter ihre Hühner impfen lassen müssen! Das ist jedoch falsch! Alle Halter von Hühnern und Truthühnern, auch Privatleute mit geringem Bestand, unterliegen der Impfflicht gegen die Newcastle Krankheit.