Entwicklungsstadien während der Brut

Rund 21 Tage sind nötig, damit aus dem befruchteten Hühnerei ein Küken heranreift. Je nach Rasse oder auch Farbschlag innerhalb einer Rasse, kann die Brutdauer allerdings variieren. Es ist durchaus möglich, dass die ersten Küken schon nach 20 Tagen schlüpfen, ebenso sind „Nachzügler“ möglich, die sich ein wenig länger Zeit lassen. Damit es aber überhaupt zum Schlupf kommt, ist nicht nur die Befruchtung des Eis nötig, sondern auch optimale Brutbedingungen. In dieser Zeit durchläuft das Ei die unterschiedlichsten Entwicklungsstadien – eine spannende Zeit.

Entwicklungsstadien bei der Brut

Die Anfangsphase

Lange bevor die Henne das Ei ablegt, hat die Entwicklung des Kükens bereits begonnen. Mit dem Eintritt des Eigelbs in den Eileiter und dem Tretakt des Hahns wird der Grundstein für die Entwicklung gelegt – Eikern und Spermium vereinen sich. Auf der Oberfläche des Eigelbs entwickelt sich durch Zellteilung nun ein kleiner weißer Fleck, der Keimfleck. Erst bei der Wanderung des Eigelbs durch den Eileiter Richtung „Ausgang“ lagern sich Eiklar, Eihäute und Schale an. Rund 24 Stunden benötigt dieses Entwicklungsstadium von der Befruchtung bis zum Legen des Eis durch die Henne. Während dieser Zeit genießt das Ei die Wärme von 42 Grad im Körper der Henne. Nach dem Legen fällt die Temperatur des Eis dann ab, die Entwicklung wird unterbrochen, das Embryo legt eine Ruhepause ein. Wird das befruchtete Ei nun, entweder unter der Henne oder im Brutapparat, bebrütet, so wird die Entwicklung fortgeführt und die nächste Phase auf dem Weg zum Küken folgt.

Die embryonale Entwicklung

Der Wachstums- und Entwicklungsgrat nach der Eiablage ist direkt temperaturabhängig. Optimalerweise reift aus dem befruchteten Ei bei 38 bis 40 Grad ein Küken heran.

1. – 10. Tag: Schon nach wenigen Stunden der Bebrütung vergrößert sich der Keimfleck. Das, was jetzt erkennbar ist, sind Gehirn und Zentralnervensystem, Kopf und Augen entwickeln sich bereits. Am zweiten Bruttag wird das Herz gebildet und beginnt zu schlagen. Am dritten Tag folgt die Bildung von Nase, Beinen und Flügel. Ab dem vierten Tag sind die meisten Organe schon ausgebildet. Sehr gut zu erkennen ist das Herz, das durch eine Falte getrennt, außerhalb des Körpers schlägt. Mit dem sechsten Tag der Bebrütung hat sich aus der Falte der Darmansatz gebildet und das Herz liegt mit Abschluss der Faltung nun innerhalb des Körpers. Während das Geschlecht schon am fünften Tag festgelegt ist, beginnen die Gliedmaßenknospen ab jetzt mit der Ausbildung. Erkennbar sind sie zunächst an einem kleinen Stumpf, der sich bis zum zehnten Tag weiter in Füße, Flügel und Schnabel ausbildet.

10. – 19. Tag: Ab dem 10. Tag sieht der Embryo einem Vogel schon recht ähnlich. Auffallend sind zwei dominierende schwarze Flecken – die Augen. Auch am 14 Tag sind es noch immer die Augen, die besonders groß herausstechen. Der Körper hat nun aber langsam aufgeholt und wächst schneller als der Kopf. Deutlich zu erkennen sind zudem sämtliche Gliedmaßen und auch die Federn auf dem Rücken sind als schwarze Kiele recht gut zu definieren. Im Alter von zwei Wochen ist der Schnabel noch sehr weich, das Küken dreht sich aber dennoch bereits in Richtung der Luftblase. Mit dem 16. Tag beginnt nun auch der Schnabel auszuhärten, mit dem das Küken ab dem 17. Tag die Eimembran durchstößt. Ab jetzt befindet sich der Kopf außerhalb der übrigen Eimasse und das Küken atmet über die Lunge. Es kann die Laute der Henne wahrnehmen und sich einprägen. Die Kommunikation mit der Mutter und den anderen Brutgeschwistern erfolgt ab dem 19. Bruttag – aus den Eiern dringt eifriges Piepsen. Die Kommunikation ist vor allem in der Natur sehr vorteilhaft, da der Schlupfzeitpunkt optimiert werden kann. Bis zu zwei Stunden lässt sich der Schlupf somit von den Küken hinauszögern – so lange, bis alle bereit zum schlüpfen sind. Hierdurch ist ein relativ gleichzeitiges Schlüpfen möglich und alle Küken sind zum selben Zeitpunkt trocken und in der Lage mit der Mutter das Nest zu verlassen. Kurz vor dem Schlupf, meistens am 19. oder 20. Tag wird auch der Dotter vom Küken durch den Nabel eingezogen. Der Nabel verschließt sich daraufhin und der Dottersack versorgt das Küken auch nach dem Schlupf mit Nährstoffen.

20. Bruttag: Die meisten der bebrüteten Eier sind nun angepickt. Dieses „Anpicken“ rührt allerdings nicht daher, dass die Küken die Eischale tatsächlich anpicken, hierzu wäre auch viel zu wenig Platz im Ei, sondern von der Bewegung des Kükens im Ei. Bis kurz vor dem Schlupf ruht der Kopf des Kükens auf der Brust. Ist es Zeit zum schlüpfen, hebt das Küken den Kopf und drück mit dem Eizahn, der auf dem Schnabel sitzt, ein Loch durch Eihaut und Eischale. Nun beginnt es, sich um die eigene Achse zu drehen und sich an den Wände des Eis abzudrücken.

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Mit der Zeit wird so die gesamte Schale durchbrochen, bis das Küken letztendlich den Nacken hebt und den Deckel abstoßen kann, um endgültig aus dem Ei zu gelangen. Bis zum 21. Tag sollten alle Küken den Weg aus dem Ei gefunden haben. Aufgrund des geringen Platzangebots im Ei hat sich da Natur zudem etwas ganz besonderes einfallen lassen. Der Flaum der Küken ist mit einer Hornschicht überzogen. Die Küken werden somit relativ „hässlich“ und feucht geboren. Nach dem Schlupf trocknet diese Hornschicht aber schnell und fällt ab, der Flaum kann sich nun entfalten und das Küken erhält seine flauschige Optik.