Schalenlose und dünnschalige Eier

Bei der Farbe perfekter Hühnereier scheiden sich die Geister. Anders sieht es bei der Beschaffenheit der Verpackung aus – die Eierschale sollte schön fest und möglichst gleichmäßig sein. So viel zur Theorie, in der Praxis ist das Hühnerei längst nicht immer perfekt!

Hühnereier unterschiedlicher Farbe

Verpackungsmaterial Eierschale

Bei der Eierschale hat sich Mutter Natur ein echt pfiffiges „Produkt“ ausgedacht. Was auf den ersten Blick recht einfältig aussieht, entpuppt sich bei genauem Hinsehen als geniale Idee. Je nachdem, wie große das Ei selbst ist, so nimmt seine Schale zwischen knapp 8 und 14 Prozent des Gesamtgewichts ein. Bei einer Dicke von 0,2 bis 0,4 mm ist die Eierschale in drei Schichten aufgebaut. Eigentlich sichtbar sind davon nur zwei, die Kristallschicht, also die harte Kruste und die darunterliegende Schalenhaut. Die Cuticula, auch Tegmentum, überzieht die Kalkschale in einer dünnen Schicht. Ihr obliegt eine wichtige Aufgabe, zu der wir gleich kommen.

Eischale

Die Kalkschale

Zunächst widmen wir uns dem Wunderwerk der „eigentlichen“ Eierschale. Sie besteht zum größten Teil aus Kalzium (rund 2 Gramm), genauer aus vielen kleinen Kalzit-Säulen, die ineinandergreifen und sich gegenseitig stabilisieren. So ist es überhaupt erst möglich, dass das Ei eine Stabilität ausbildet, die in der Lage ist, locker bis zum 20fachen des Eigengewichts zu tragen. Das ist bei einem durchschnittlichen Ei etwa mehr als ein Kilogramm!

Ein weiterer Stabilitätsfaktor sind die Poren. Ca. 10.000 Stück durchziehen die Schale eines Eis wie Bienenwaben. Außerdem übernehmen sie den Stoffaustausch, denn ein Ei atmet. Schließlich ist ein Ei nicht in erster Linie zum Verzehr gemacht, sondern als Brutstätte. Während der Kükenentwicklung muss Sauerstoff rein, Kohlendioxid und Wasserdämpfe wieder raus. Hier kommen einige Liter zusammen. Allerdings haben da, wo diffuse Gase hinein- und hinausgelangen können, auch Bakterien leichtes Spiel beim Eindringen – wobei wir wieder bei der Cuticula wären.

Die Cuticula

Ihre Aufgabe ist das Verhindern von Eindringlingen wie Bakterien und Keime. Außerdem sorgt sie dafür, dass die Feuchtigkeit im Ei bleibt und dieses nicht austrocknet. Ist die Cuticula beschädigt, wird das Ei rasch schlecht. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb Eier nicht gewaschen werden sollten. Die Cuticula lässt sich mit Wasser problemlos abwaschen und das ist sowohl für die Lagerung als auch für die Verwendung als Brutei keine gute Idee. Für Eier im Handel (EU) gilt übrigens ein Waschverbot!

Die Eierschalmembran

Einen weiteren Schutz vor dem Eindringen von Krankheitskeimen und Co., eine letzte Barriere sozusagen, bieten übrigens die Eierschalmembrane, die als dünnes Häutchen an der Innenseite der Kalkschale anliegen. Eine wirklich durchdachte Sache so eine Eierschale!

Eier ohne oder mit dünner Schale

Legen Hühner Eier ohne Schale, so spricht man von Windeiern. Das gesamte Ei ist dann lediglich von der Eierschalmembrane umgeben, Kalkschale und Cuticula fehlen. Tritt dieses Phänomen gehäuft auf, kann das auf einen Mangel an Kalzium hinweisen, ebenso kann es sich um einen Vitamin D Mangel handelt, da das Vitamin zur Verstoffwechselung des Kalziums benötigt wird.

Auch junge Hühner zu Beginn der Legeperiode können ihren Haltern das eine oder andere Windei bescheren, ohne, dass ein Mangel oder eine Krankheit vorliegt. Dasselbe gilt natürlich auch für ältere Hühner. Problematisch wird es, wenn die Kalkschale häufiger fehlt oder extrem dünnwandig ist. Zum Teil zerbrechen die Eierschalen dann bereits bei sehr leichtem Druck.

Schalenlose Eier wie beheben

Zunächst sollte hier eine Kontrolle der Haltungs- und Fütterungsbedingungen erfolgen. Stimmt die Fütterung, wird ausreichend Kalzium zugeführt? Wie sieht es mit der Haltung aus, Vitamin D ist vor allem im Winter Mangelware, wenn die Hühner kaum Sonnenlicht bekommen. Entsprechende Vitaminpräparate schaffen Abhilfe. Doch auch im Sommer kann es zu Windeiern oder dünnschaligen Eier kommen. Auch hier schafft ein Blick auf die Fütterung Klarheit. Vielfach nehmen Hühner in den heißen Wochen nur wenig Futter zu sich. Das wieder führt zu einer ohnehin verminderten Kalziumaufnahme in Bezug auf die Gesamtfuttermenge und reicht in vielen Fällen nicht zur Deckung des Kalziumbedarfes zur Eiproduktion. Flüssige Kalziumpräparate können hier des Rätsels Lösung sein.

Windeier bei Krankheiten

Bleibt das Problem der schalenlosen oder dünnwandigen Eier auch bei optimalen Fütterungs- und Haltungsbedingungen bestehen, darf auch die Gesundheit der Tiere nicht außer Acht gelassen werden. Einige virusbedingte Erkrankungen wie die infektiöse Bronchitis führen ebenfalls zu Windeiern oder dünnschaligen Eiern, die mitunter mit Längs- oder Querfalten versehen sind. Abhilfe schafft hier das Hinzuziehen eines Tierarztes oder einer entsprechenden Schutzimpfung, bevor die Tiere erkranken.