Hühnerfeind Habicht

Nicht alles Gute kommt von Oben. Zumindest nicht dann, wenn man ein Huhn ist und der Feind aus der Luft kommt. Die Rede ist vom Habicht, einem der Fressfeinde unserer Haushühner. Doch nicht nur aus der Luft wird dieser Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen den Hühnern gefährlich, er ist auch am Boden ein geschickter Jäger!

Herrscher der Lüfte

Der Titel trifft es vielleicht nicht ganz, ohne Zweifel ist der Habicht jedoch der Herrscher tagaktiver Vögel – zumindest in unseren Regionen. Zusammen mit dem Sperber, der deutlich kleiner ist, gehört der Habicht zu den häufigsten Räubern, doch nur er ist körperlich dazu in der Lage, auch ausgewachsene Hühner zu erbeuten. Das Habicht Männchen, auch Terzel genannt, bringt es auf eine Flügelspannweite von rund 90 cm und liegt beim Gewicht unter einem Kilogramm. Das Weibchen ist rund ein Drittel schwerer und wesentlich größer als das männliche Pendant. Sie bringt bis zu 2,2 Kilogramm bei einer Spannweite von maximal 127 cm auf die Waage. Entsprechend der körperlichen Voraussetzungen kann das Habicht Weibchen auch größere Beutetiere schlagen. Hinsichtlich der Optik unterscheiden sich Männchen und Weibchen nur gering. Die Oberseite des Weibchens ist schiefergrau, während das Männchen in graubraun daherkommt. An der hellen Unterseite befinden sich bei beiden Geschlechtern gleichermaßen schmale, dunkelbraune Streifen, die eng beieinander liegen.

Die Heimat des Habichts

Das Verbreitungsgebiet des Habichts ist recht breit, in Deutschland findet man ihn ebenfalls häufig, auch, wenn man ihn kaum zu Gesicht bekommt. Beobachten kann man ihn vor allem im Frühjahr, wenn er zur Brutzeit von März bis Mitte April vermehrt Kreise um sein Brutgebiet zieht. Grundvoraussetzung dafür, dass ein Habicht sich ansiedelt, ist die Möglichkeit, eine Horstanlage für das Gelege (1 bis 5 Eier) zu errichten. Diese Brutstätte erfordert einen ausreichend alten Baumbestand und ein gutes Nahrungsangebot. Es wird dabei nicht zwingend ein Wald benötigt, auch einzelne Baumabschnitte genügen dem Habicht zur Besiedelung. Neuerdings ist sogar eine urbane Population von Habichten auszumachen. So sind Habichte seit einigen Jahren in Städten wie Berlin, Köln oder Hamburg zu finden. Habichte sind sehr Gebietstreu und leben überdies monogam!

Perfekter Jäger

Mit ihrem krummen, sehr scharfen Schnabel und den spitzen Krallen an den langen Beinen sind sie perfekt darauf ausgerichtet, auch größere Beutetiere zu greifen. Entsprechend der Größenunterschiede bevorzugen männliche und weibliche Habichte unterschiedliche Beutetiere. Während sich das kleinere Habicht Männchen vornehmlich mit Vögeln bis zur Größe von Hühnern begnügt, geht das Habicht Weibchen vermehrt auf Kaninchen und Hasen. Der Jagdstil ist jedoch bei beiden Geschlechtern gleich. Entweder im Überraschungsangriff direkt in der Luft, dem vor allem Tauben zum Opfer fallen oder in Bodennähe. Hierbei pirscht sich der Habicht an und schlägt aus der Deckung heraus zu oder er sitzt auf einem Ast am Waldrand und wartet auf Beute. Dank seiner kräftigen Flugmuskeln und dem langen Schwanz kann er blitzartig starten und pfeilschnelle Manöver einlegen. Ist er fündig geworden wird die noch wehrhafte Beute zunächst mit einem festen Griff gepackt, wobei sich die spitzen Krallen so lange in die Beute bohren, bis sie sich nicht mehr bewegt. Anschließend wird sie mit dem Schnabel in Stücke geteilt. Der Schnabel dient dem Habicht hierbei sowohl als Messer, wie auch als Gabel. Unverdauliche Teile der Beutetiere werden vom Habicht nach Möglichkeit nicht gefressen, daher wird schon vorher sorgfältig gerupft. Anschließend werden Fleischstücke herausgerissen. Alles Unverdauliche wird als so genanntes Gewölle wieder ausgewürgt. Da Habichte, wie viele andere Raubvögel auch, über einen Kropf verfügen, ist ihnen das „auf Vorrat essen“ möglich. Sie nehmen also mehr Nahrung auf, als sie im Moment benötigen.

Habicht und Hühner

Nicht umsonst wurde der Habicht in früheren Zeiten oft als Hühnerhabicht bezeichnet, hat er doch schon zahlreiches Hausgeflügel geschlagen. Vor allem in den Zeiten, wo freilaufende Hühner noch zum normalen Bild eines Bauernhofes gehörten, haben sich etliche Praktiken abgeleitet, um den Habicht von den Hühnern fern zu halten. So sollte ein glänzender Kessel im Hühnergehege den Habicht irritieren und vom Jagen abhalten oder drei ausgerupfte Habichtfedern in einen anderen Bezirk verbracht, das eigene Federvieh vor dem Lufträuber schützen, wohingegen ein toter Habicht an die Stalltür genagelt nicht nur den Habicht, sondern praktischerweise auch gleich die Hexen vertreiben sollte. Heut weiß man, dass sich ein Habicht an diesen Praktiken kaum stört und die effektivste Habichtabwehr ein Schutz von oben ist. Sprich: Ein gespanntes Netz über den Hühnern, reichlich Deckung oder ein rundherum geschlossenes Gehege.