10 Alte Hühnerrassen im Portrait & Vorteile alter Rassen für Hobbyhalter

Wahrscheinlich denkst du dir „Alte Hühnerrassen sind etwas für Nostalgiker und können mit modernen Rassen nicht konkurrieren“. Doch das ist FALSCH! Warum gerade alte Hühnerrassen in der Hobbyhaltung modernen Legehybriden in dreierlei Hinsicht überlegen sind, erläutern wir dir im Folgenden.

10 alte Hühnerrassen die sich auch für Anfänger eignen

1) Deutsches Lachshuhn

Bereits vor über 100 Jahren züchteten deutsche Züchter aus den französischen Masthühnern „Faverolles“ ein Legehuhn, welches den Namen „Deutsches Lachshuhn“ erhielt.

Deutsches Lachshuhn

Die Haltung der Deutschen Lachshühner gestaltet sich als sehr einfach. Denn diese Hühner sind anspruchslos, gutmütig und verzeihen dem Anfänger den ein oder anderen Haltungsfehler. Dem Halter, der ruhige Hühner…

Die einfache Haltung, die robuste und ruhige Art und die hervorragende Legeleistung im Winter sprechen für diese alte Hühnerrasse.

2) Westfälische Totleger

Auch wenn die Hühner dieser Rasse nicht legen bis sie tot sind, zeigen sie doch eine hervorragende Legeleistung mit bis zu 180 Eiern im Jahr.

Westfälische Totleger

Wie wenig diese alte deutsche Hühnerrasse mit dem Tode zu tun hat, zeigt die Erklärung seiner Namensgebung. Auch wenn sich die Meinung hartnäckig hält, Hennen hätten sich zu Tode gelegt…

Kennzeichnend für diese robusten Hühner ist die enorme Freiheitsliebe: Ein großer Freilauf oder sogar vollständiger Freigang machen diese Hühner glücklich. Sie sind hervorragende Futtersucher und benötigen im Sommer kaum Zufütterung.

3) Bergische Kräher

Bei den Bergischen Krähern handelt es sich um die älteste deutsche Hühnerrasse. Erste Hinweise auf diese alte Hühnerrasse lassen sich bereits im Jahr 1200 n.Chr. finden.

Bergische Kräher

Die Bergischen Kräher als älteste deutsche Hühnerrasse sind als kulturelles Erbe zu verstehen und stellen überdies eine wichtige Genreserve in der Hühnerzucht dar. Sie gelten als extrem gefährdete Hühnerrasse und…

Aktuell ist diese Rasse als extrem gefährdet eingestuft und es sind nur noch wenige Hühner dieser seltenen Rasse vorhanden.

4) Sundheimer

Ansprüche stellt das Sunheimer Huhn kaum an den Halter. Genügsam, robust und selbst für die Mast geeignet zeigt sich diese Hühnerrasse als sehr vielseitig.

Sundheimer

Ursprünglich wurde das Sundheimer Huhn als einfach zu mästendes Fleischhuhn in Sundheim am Rhein erzüchtet. Das Sundheimer gilt daher als einzige „echt badische“ Hühnerrasse. Erstmals im Jahr 1886 wurde dieses…

Mit 220 Eier im Jahr verfügen die hervorragenden Futtersucher über eine sehr gute Legeleistung, sogar im Winter.

5) Altsteirer

Die bewegte Geschichte dieser alten Hühnerrasse ist imposant. Die Ursprünge lassen sich bereits im 14-Jahrhundert finden. Einst ein häufig gepflegtes Huhn ist es während des 2. Weltkrieges fast ausgestorben.

Altsteirer Hühner

Das Altsteirer Huhn hat eine recht bewegte Geschichte, mit Höhen, Tiefen, Namensänderungen und einer weitsichtigen Rassenrettung durch begnadete Züchter. Alles begann schon lange vor der eigentlichen Rassezucht. Seit Jahrhunderten waren…

Das optisch attraktive und äußerst pflegeleichte Huhn sucht heute dringend Halter und Züchter, die dafür sorgen, dass es die Rasse auch noch in 10 Jahren gibt.

6) Deutsche Sperber

Auf den ersten Blick könnte man die attraktiven Deutschen Sperber mit den gesperberten Legehybriden verwechseln, doch schon auf den zweiten Blick werden die Unterschiede deutlich: Die Zeichnung der Deutschen Sperber wirkt viel edler und klarer. Speziell im Kopfbereich und an den Flügeln wird der Unterschied deutlich. Neben der attraktiveren Zeichnung kann diese alte Hühnerrasse durch ein sehr robustes und gutmütiges Wesen glänzen.

Deutsche Sperber

Auffallendstes Merkmal und zugleich namensgebend für den Deutschen Sperber ist die auffallende Zeichnung. Ihren heutigen Namen bekamen die Deutschen Sperber allerdings erst viel später. Otto Trieloff, ambitionierter Züchter aus Duisburg,…

Die seit über 100 Jahren gezüchtete Hühnerrasse wird leider immer seltener. Heute wird sie von der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ als stark gefährdet eingestuft.

7) Ramelsloher

Als äußerst robuste und wetterharte alte Hühnerrasse sind die Ramelsloher bekannt. Durch ihre hervorragende Legeleistung, die selbst im Winter kaum nachlässt, konnten sie lange als Wirtschaftshuhn gute Dienste leisten. Auch ihre Eignung zur Mast machen die Hühner dieser Rasse zum idealen Zwienutzungshuhn.

Ramelsloher

Im Vergleich zu vielen anderen Hühnerrassen kann das Ramelsloher Huhn nicht mit einer imposanten Entstehungsgeschichte beeindrucken. Dennoch ist die Laufbahn dieser Hühner alles andere als langweilig! Die Ahnen des Ramelslohers…

Bereits im Jahr 1874 wurden die ersten Ramelsloher auf einer Geflügelausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.

8) Deutsches Langschan

Im Jahre 1872 kamen die ersten Croad-Langschans von China nach England. Nur sieben Jahre später wurden diese Hühner nach Deutschland importiert. Hier kreuzte man die Hühner mit Minorkas und Plymouth Rocks mit dem Ziel, ein nacktfüßiges, hochgestelltes Huhn mit guter Legeleistung und gutem Fleischansatz zu erhalten. Mit Erfolg, das Deutsche Langschan war geboren!

Deutsches Langschan

Mit seiner aufrechten Haltung und der breiten Brust erinnert das Deutsche Langschan ein wenig an ein asiatisches Kampfhuhn. Tatsächlich wurde es aber aus den Croad-Langschans erzüchtet, eine Hühnerrasse, die 1872…

Inzwischen gibt diese alte Hühnerrasse als extrem gefährdet. In seltenen Farbschlägen sind gerade mal um die 30 Hennen vorhanden.

9) Augsburger

Der Augsburger Züchter „Julius Meyer“ kreuzte im Jahr 1870 das La Fleche Huhn mit dem italienischen Lamotta Huhn. Das Ergebnis war ein Huhn, welches mit den rauen klimatischen Bedingungen in Süddeutschland zurechtkam und zugleich ein hervorragendes Zwienutzungshuhn war. Die schnelle Verbreitung der Hühner über ganz Bayern gab ihm recht.

Augsburger

Das Augsburger Huhn ist eine „Erfindung“ des Augsburger Hühnerzüchters Julius Meyer. Er kreuzte um das Jahr 1870 das La Fleche Huhn mit dem italienischen Lamotta Huhn. So erhielt er als…

Inzwischen wird die alte Hühnerrasse Augsburger jedoch als „extrem gefährdet“ geführt und dem Aussterben nahe. Sie sucht dringend Halter und Züchter, die das Überleben sichern.

10) Orpington

Bereits im Jahr 1886 wurden die ersten Orpington Hühner in England ausgestellt. Ihr kugelförmiger Körperbau deutet bereits auf die hervorragende Eignung als Masthuhn hin.

Orpington

Ihr Herkunftsland können die Orpington Hühner nicht verheimlichen, entstammen sie doch William Cook vom englischen Hof Orpingtonhouse. Er kreierte diese schweren Hühner Ende des 19. Jahrhunderts. Hierzu bediente er sich…

Die Hühner neigen zur Verfettung und sind eher für den Halter mit etwas Erfahrung eine gute Wahl.

Welche Vorteile bieten alte Hühnerrassen?

In dieser kompakten Übersicht wollen wir uns auf die 3 bedeutendsten Vorteile beschränken, auch wenn sich durchaus deutlich mehr nennen ließen.

Vorteil 1: Legeleistung, im Winter und über die Jahre

Legehybriden legen unter idealen Bedingungen bis zu 300 Eier im Jahr. Auf den ersten Blick können alte Hühnerrassen mit 160 bis 180 Eier im Jahr da kaum mithalten.

Ein genauer Blick auf den Begriff „idealen Bedingungen“ führt schnell zur Ernüchterung: Auf 18-19°C klimatisierte Ställe, 14 Stunden Kunstlicht am Tag und eine Ernährung, die zu 18% aus Rohprotein besteht. Je mehr Faktoren von den Idealbedingungen abweichen, desto drastischer sinkt auch die Legeleistung in der Praxis. In der Hobbyhaltung bei heißen Temperaturen im Sommer und eisigen Temperaturen im Winter liegen diese Hühner schnell bei nur noch 120 Eier pro Jahr.

Alte Hühnerrassen und ihre Legeleistung

Alte Hühnerrassen stammen noch aus einer Zeit, in der die Hühner auf Bauernhöfen unter rauen Bedingungen lebten. Über die Temperatur im Hühnerstall oder den Rohproteinanteil am Futter machte man sich damals keine Gedanken. Die Legeleistung hingegen war damals schon ein wichtiges Kriterium. Allerdings stand damals die Legeleistung unter diesen rauen Bedingungen im Vordergrund.

Die Hühner sollen auch unter nicht idealen Bedingungen Eier legen: in den kalten Wintern, bei karger Kost, bei schlechtem Wetter und über viele Jahre.

▶ Ist es nicht genau das, was man als Hobbyhalter von den Hühnern erwartet.

Vorteil 2: Futterkosten

Zu Großmutters Zeiten wurden die Hühner nicht mit Hochleistungsfutter verwöhnt. Gelegentlich etwas Weizen und etwas Mais und den Rest mussten sich die Hühner selbst suchen. Eine ganz besonders wichtige Anforderung an die Hühner dieser Zeit: Sie mussten ihr Futter selbst suchen und wenig „teures“ zusätzliches Hühnerfutter benötigen.

Hühner suchen nach Futter

Bereits beim Beobachten alter Hühnerrassen wird dies deutlich. Sie sind ständig auf Futtersuche, erbeuten geschickt jeden Grashüpfer und sind immer dort, wo nahrhaftes Futter zu finden ist.

▶ In der Hobbyhaltung kommt uns diese Eigenschaft „fleißige Futtersucher“ zu sein, natürlich doppelt entgegen. Wir sparen Kosten für Hühnerfutter und unser Garten ist frei von Insekten und Schnecken.

Vorteil 3: Zweinutzungshühner (Bruderhühner):

Vor der industriellen Hühnerhaltung war es ganz selbstverständlich: Aus den Hennen wurden Legehühner und die Hähne kamen in den Topf und sorgten für den leckeren Sonntagsbraten. Der entscheidende Vorteil alter Hühnerrassen, sowohl Legehuhn als auch Masthahn hervorzubringen, ging mit den modernen Hühnerrassen völlig verloren.

Legenest für große Hühner

▶ Erst seit wenigen Jahren – mit dem Aufkommen der Bruderhahn-Diskussion – ist man wieder auf der Suche nach Rassen, die genau dies bieten. Fündig wird man bei den alten Hühnerrassen! Wäre die Situation nicht so ernst, könnte man fast etwas schmunzeln: Vor 100 Jahren hat man die Lösung bereits gezüchtet 😉